Book 1
10
Wollte man aber blos aus dem Umstände, daß Mykene eine später (1104 v. Chr.), mit den Doriern verbündet, in den Peloponnes zurück (Herakliden- ode. Dorische Wanderung! und eroberten denselben, womit die Perse.den wieder zu Macht gelangten, denn auch des Herakles Mutter Alkmene und sein Ziehvater Slmphitryo waren Enkelin und Enkel des Perseus. 31) Dies, nicht der Eid des U^ndareos, wird hier als Grund erwähnt, mit Bezug auf Homer Od. V, 307 (Seidler), vgl. Jl. I, 153. (Kr.) 32) Jl. II, 576 ff.: Diesen in hundert Schiffen gebot Heerkürst Agamemnon, AtreuS' Sohn. Ihm folgte das mehreste Volk und das beste Heer zum Streit, und er selber, in blendendem Erze gerüstet, Trotzte voran, da er herrlich hervorschien unter den Helden, Weil er der tapferste ivar und des mehresten Volkes Gebieter. Und v. 60S ff. heißt eS von den Arkadiern: Deren führt des Ankäos gebietender Sohn Agagenor Sechzig Schiffe daher; zahlreich in jedes der Schiffe Traten arkadische Männer, gewandt in Kriegeserfahrung, Denn er selbst gab ihnen, der Völkerfürst Agamemnon, Schöngebordete Schiffe, das dunkele Meer zu durchsteuern, AtreuS' Sohn; nicht waren der Meergeschäste sie kundig. kleine Stadt war^), und daß die eine oder andere der damaligen Ortschaften jetzt nicht mehr nennenswerth ist, schließen, jener Zug sei nicht so bedeutend gewesen, wie die Dichter ihn schildern, und wie die Sage von ihm annimmt, so würde diese Ungläubigkeit aus sehr schwachen Gründen beruhen; denn nehmen wir den Fall, Lakedämon sei zerstört worden, und Nichts davon übrig geblieben als die Tempel und die Fundamente des Baurisses, so möchten wohl nach Verlauf längerer Zeit spätere Geschlechter die Erzählung vom Ruhme der Lakedämonier sehr, ungläubig aufnehmen, und doch besitzen sie zwei Fünftheile des Peloponnes und haben die Oberleitung des Ganzen und vieler auswärtigen Bundesgenossen 34). Nichtsdestoweniger möchte aber ihre Stadt ziemlich ärmlich ershceinen, da sie weder zusammenhängend gebaut ist, noch durch Tempel und kostspielige Anlagen sich auszeichnet, sondern nach alter hellenischer Art des Städtebau's aus einzelnen Dorsschasten zusammengesetzt ist^). Wenn hingegen dasselbe den Athenern geschehen sollte, so müßte man nach dem, was von ihrer 33) Mykene heißt bei Homer Jl. II, 559 „die Stadt voll prangender Häuser". Diesen Glanz büßte e- nach der Rückkehr der Herakliden ein. Im Jahre 468 v. Chr., also 37 Jahre vor dem Peloponnesischen Kriege, wurde die Stadt von den Argioern zerstört (Tiodor XI, 65) und ist es seitdem geblieben. Der Geograph Strabo Will, S. p. 372, zur Zeit I. Chr.) sagt, daß zu seiner Zeit keine Spur davon erhalten gewesen sei; trotzdem sind die ste noch zu Tage nicht unbedeutend. Das sogenannte Löwenthor und die Schatzkammer des Atreus finden sich häufig abgebildet. — Neuerlichst hat Schliern ann dort höchst werthoolle Funde, Zeugen des alten Reichthums, gemacht. 34) Den Lakedämoniern gehörte auch Messenien, dessen Name fast verschollen war. Bei den zwei Fünstheilen wird übrigens an Argos nicht gedacht sein. (Kr.) 35) Sparta bestand aus fünf o Ortschaften Vier sind be- iannt: Pitana, Mesoa, Limnsoder Lymnäonund Kynosura, die fünfte wahrscheinlich das eigentliche Sparta. Großartige Bauten waren nicht vorhanden, die Häuser nur roh gezimmert. Nach Lykurgischem Gesetz wurden zu Decke und Thür keine andern Werkzeuge verwendet, als Beil und Säge. Von Leotychides (380 v. Chr.) und Agesilaos (330 v. Chr.), also von Königen, wird erzählt, daß sie beim Anblick sorgfältig zugeschnittenes Gebälkes im Hause ausländischer Gastfreunde mit (sreilich angenommener) Verwunderung gefragt hätten, ob denn die Bäume dort eckig wüchsen? Nothwendige Folge der Naturalwirtschaft, denn Künstler arbeiten nur für Geld. Vgl. Schömann, Griech. Alterth. I, S. 214, 284. Stadt zu sehen wäre, ihre Macht doppelt so groß schätzen, als sie in der That ist. Man darf also hier nicht ungläubig sein und mehr nach dem Aussehen der Städte, als nach der wirklichen Macht urtheilen wollen, sondern wir müssen annehmen, daß jener Kriegszug alle früheren an Großartigkeit übertroffen habe, hinter den jetzigen aber allerdings zurückbleibe. Darf man der Schilderung Homer's auch hierin Glauben schenken, obgleich es selbstverständlich ist, daß er als Dichter die Dinge in's Größere und Schönere ausmalt, so erscheint selbst unter dieser Voraussetzung der Zug ziemlich ärmlich. Homer erzählt nämlich, daß von den zwölfhundert Schiffen die Böotischen je hundert und zwanzig Mann führten, und die des Philoktet je fünfzig ^), wodurch er, wie mir scheint, das größte und das kleinste Maß anzeigen will; denn von der Bemannungsstärke der übrigen ist im Verzeichnis; der Schiffe keine Rede. Daß aber die ganze Bemannung der Schiffe Ruderer und streitbare Männer zugleich gewesen sind, geht aus dem hervor, was er bei Gelegenheit der Schiffe des Philoktet sagt, indem er nämlich alle Ruderer zu Bogenschützen macht. Die Zahl der außerdem Mitschiffenden war aber wohl nicht sehr groß, wenn man von den Königen nnd Kriegsbeamten absieht; denn sie interna hmen ja die Seefahrt mit vielem Ballast von kriegerischem Rüstzeug, und überdies führten ihre Schiffe kein Verdeck, sondern waren nach Art der alten Seeräuberschiffe offen gebaut. Nimmt man also das Mittel zwischen den größten und den kleinsten Schiffen, so kommt für das ganze Heer keine eben sehr große Zahl heraus, in Anbetracht daß ganz Hellas dasselbe gemeinsam stellte.