Book 1
25
Als die Epidamnier sahen, daß auf Hilfe von Kerkyra nicht zu rechnen war, und sich nicht zu helfen wußten, schickten sie nach Delphi, um den Gott zu befragen, ob sie sich Korinth als ihrer Mutterstadt übergeben und versuchen sollten, von dort Hilfe zu erhalten. Der Gott riet ihnen auch, das zu tun und sich unter die Führung der Korinther zu stellen. Sie wandten sich also nach Korinth, um sich nach dem Ausspruch des Orakels dort als Tochterstadt zu übergeben, wiesen darauf hin, daß der Gründer ihrer Stadt aus Korinth gewesen sei, und baten, sie in der Not nicht im Stich zu lassen, sondern sich ihrer anzunehmen. Die Korinther erklärten sich dazu auch bereit, da sie Epidamnos mit Fug und Recht so gut als eine Kolonie von Korinth wie von Kerkyra ansehen zu können glaubten. Zudem haßten sie die Kerkyräer, die es als ihr Pflanzvolk an der schuldigen Rücksicht gegen sie fehlen ließen. Denn man gab ihnen dort bei festlichen Gelegenheiten nicht die schuldigen Ehren, ließ auch keinem Korinther den Vortritt beim Opfer, wie das in Kolonien sonst üblich ist, sondern behandelte sie von oben herab, weil man sich damals als Geldmacht den reichsten Griechenstädten an die Seite stellte, für den Krieg besser als andere gerüstet war und sich zuweilen rühmen konnte, die stärkste Flotte zu besitzen. Denn wie ihre Insel schon ehe mals von dem berühmten Seevolke der Phäaken bewohnt ge . Wesen war, so hatten sich auch die Kerkyräer besonders auf die Flotte gelegt und es zur See zu hoher Macht gebracht; denn bei Beginn des Krieges hatten sie nicht weniger als hundertundzwanzig Trieren.