Book 1
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Das ist's, was ich über die älteren Zeiten gefunden habe. Man darf aber den einzelnen Zeugnissen, wie sie sich der Reihe nach darbieten, nur schwer Glauben schenken; denn die Menschen nehmen die Erzählungen von dem, was sich früher ereignet hat, ohne alle Prüfung von einander an, auch wenn es ihr eigenes Vaterland betrifft^). So ist z. B. unter dem Volke zu Athen der Glaube verbreitet, daß Hipparchos in der Eigenschaft als Tyrann durch Harmodios und Aristogeiton ermordet worden sei, und sie wissen nicht, daß die Herrschaft in den Händen des Hippias lag, als des ältesten unter den Söhnen des Peifistratos, und daß Hipparchos und Theffalos nur dessen Brüder waren. Da aber an jenem Tage und im entscheidenden Augenblick Harmodios und Aristogeiton vermutheten, Hippias sei durch einen Mitverfchwornen gewarnt, so legten sie nicht Hand an diesen, weil sie ihn eben schon für unterrichtet hielten; sie wollten aber vor ihrer Gefangennehmung doch auch etwas gethan haben, und da sie zufällig auf den Hipparchos trafen, welcher in der Nähe des sogenannten Leokorions den Festzug der Panathenäen ordnete, so ermordeten sie diesen^). Aber auch über viele andere Dinge und auch solche, die noch in der Gegenwart bestehen und nicht durch die Länge der Zeit in Vergessenheit gerathen sein können, haben auch die übrigen Griechen unrichtige Vorstellungen, wie z. B. daß jeder der beiden Lakedämonischen Könige nicht Eine Stimme abgebe, sondern zwei, und daß sie dort eine gewisse Schaar, genannt die Pitanaten, hätten, die es doch gar nie gegeben hat ^). So fahr- 55) Ueber die historische Unzuverlässigkeit der Griechen vgl. Krüger, histor. philol. Studien, I, p. 7S ff. 11ö ff. 56) Das Leokorion war ein Tempel im KerameikoZ, erbaut zu Ehren der Töchter des Leos: Praxithea, Theope und Eubule. Bei einer Hungersnoth hatte das delphische Orakel erklärt, daß die Opferung dieser drei Jungfrauen dieselbe beenden würde, und der Vater hatte sie zugelassen. Ueber die Panathenäen vgl. V, 47. 57) Diese Episode ist überflüssig, da sie VI, 53 ff. ausführlich erzählt wird, ist also geschrieben, als Thukydides letztere noch nicht beabsichtigte. (Kr.) 58) Pitana war eine der Gemeinden oder Ortschaften, aus welchen die Stadt Sparta zusammengesetzt war. (Anm. 35.) Sie hatte ihre eigenen gym ässig sind die Menschen, die Wahrheit zu untersuchen, und sie nehmen viel lieber das an, was ihnen gerade zu Gehör kommt.