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Ἱστορίαι

Ἱστορίαι Thucydides

Book 1

69 „Und daran seid ihr schuld; denn ihr habt sie nach den Perserkriegen erst ihre Stadt befestigen und dann die langen Mauern bauen lassen und damit nicht nur ihre bisherigen eigenen Untertanen, sondern jetzt auch eure Bundesgenossen für immer der Freiheit beraubt. Nicht wer die Ketten schmiedet, sondern wer das hindern kann und nicht hindert, ist der wirk­ lich Schuldige, mag er sich auch noch soviel darauf zugute tun, der Befreier Griechenlands zu heißen. Mit knapper Not sind wir hier jetzt wenigstens zusammengekommen, wissen aber immer noch nicht, wozu. Nicht darum handelt eS sich jetzt, erst lange zu untersuchen, ob man uns wirklich auf die Füße tritt, sondern darum, uns unserer Haut zu wehren. Denn unser Gegner weiß, was er will, und wird sich nicht lange besinnen, unS zu Leibe zu gehen. Wir kennen ja die Methode der Athener, Schritt für Schritt gehen sie gegen die anderen vor. Solange sie glauben, daß ihr mit eurem Fischblut kein Arg daraus habt, lassen sie sich Zeit; merken sie aber erst, daß ihr Bescheid wißt und sie doch gewähren laßt, so werden sie uns bald ganz anders kommen. Unter allen Griechen seid ihr Lakedämonier die einzigen, die sich dadurch in ihrer Ruhe nicht stören lassen. Statt dem Feinde die Zähne zu zeigen, meint ihr, es sei schon mit dem guten Willen genug, um ihn sich vom Leibe zu halten. Nur ihr laßt den Feind erst seine Kräfte verdoppeln, statt jeden Versuch dazu gleich im Keime zu ersticken. Es heißt freilich, auf euch könne man sich verlassen. Aber eure Taten sind nicht danach gewesen. Wir wissen noch, wie die Perser damals ihr Heer von den Enden der Welt schneller nach dem Peloponnes führten, als ihr eures glücklich auf die Beine brachtet. Auch jetzt wieder macht ihr euch um die Athener keine Sorgen, obgleich diese nicht wie die Perser hinten fern in Asien, sondern hier vor euren Toren wohnen. Statt dem Feinde zuerst zu Leibe zu gehen, meint ihr, euch auf die Ver­ teidigung beschränken zu können, um es im Kampfe mit einem so mächtigen Gegner schließlich auf gut Glück ankommen zu lassen. Bekanntlich haben sich die Perser ihre Niederlagen meist durch eigene Schuld zugezogen, und auch wir haben unsere gelegentlichen Erfolge den Athenern gegenüber ihren Fehlern, nicht etwa eurer Hilfe zu verdanken gehabt. Schon manchem, der sich nicht selbst vorgesehen, weil er sich auf euch verließ, ist das zum Verderben geworden. Glaubt nicht, daß wir das hier aus Feindschaft gegen euch sagen. O nein; es ist uns nur um die Wahrheit zu tun. Mit dem Feinde, der uns be­ leidigt, geht man ins Gericht; einem Freunde, der sich nur auf falschem Wege befindet, sagt man die Wahrheit.

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