Book 2
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„Peloponnesier und Bundesgenossen! Unsere Väter sind schon oft nicht nur im Peloponnes, sondern auch auswärts zu Felde gezogen, und die Älteren unter uns haben selbst auch schon mehrfach Kriege mitgemacht, allein mit einem so statt lichen Heere wie diesmal sind wir noch nie ins Feld gerückt. Aber es geht auch gegen eine mächtige Stadt, und darum treten auch wir so zahlreich und mit unseren besten Kräften auf den Plan. Ich darf erwarten, daß wir uns nicht schlechter zeigen werden als unsere Väter und unserem alten Ruhm auch diesmal Ehre machen werden. Denn ganz Griechenland sieht mit gespannter Erwartung auf diese unsere Unternehmung und wünscht uns dabei aus Haß gegen die Athener den besten Er folg. Wir dürfen uns jedoch nicht etwa im Vertrauen auf unsere Überzahl in Sicherheit wiegen und es in der Meinung, der Feind werde sich gar nicht an uns heranwagen, auf dem Marsche an der nötigen Vorsicht fehlen lassen, vielmehr muß nicht nur jeder Befehlshaber der verschiedenen Städte, sondern auch jeder einzelne Mann immer darauf gefaßt sein, daß es im nächsten Augenblick zum Gefecht kommen kann; denn im Kriege weiß man nie vorher, was kommt, und so ein Angriff erfolgt fast immer plötzlich und unangemeldet. Schon manch mal hat eine Minderheit, die auf ihrer Hut war, gegen einen überlegenen Feind glücklich gekämpft, weil dieser in seinem Übermut nicht aufgepaßt hatte. Bei einem Feldzuge in Feindes land muß man kühn, aber vorsichtig zu Werke gehen. Denn dann kann man den Feind herzhaft angreifen und hat von seinen Angriffen am wenigsten zu fürchten. Wir ziehen auch nicht gegen einen Feind, der sich nicht wehren könnte, sondern gegen eine Stadt, die in jeder Hinsicht vortrefflich gerüstet ist. Wir müssen also unbedingt darauf rechnen, daß es zur Schlacht kommen wird, und wenn sie sich dort auch nicht gleich dazu entschließen, solange wir noch in weiter Ferne sind, so doch ganz gewiß, wenn sie uns erst in ihrem Lande sengen und brennen und Hab und Gut vernichten sehen. Denn wer so was noch nicht erlebt, dem läuft die Galle über, wenn er es selbst mit ansehen muß. Und je weniger sich einer zu be herrshcen weiß, um so leidenschaftlicher wird er gleich drein schlagen. Von den Athenern aber muß man sich dessen be sonders versehen, da sie sich zwar berufen fühlen, andere zu beherrschen und fremde Länder zu verwüsten, aber nicht gewohnt sind, daß es ihnen auch so geht. Weil ihr denn gegen eine solche Stadt ins Feld zieht und dabei, je nachdem, euch und euren Vorfahren die größte Ehre oder aber die ärgste Schande machen werdet, so folgt euren Führern, wohin es auch geht, haltet vor allen Dingen auf Mannszucht und Wachsamkeit und tut stets willig, was euch befohlen wird. Nichts Schöneres und Verläßlicheres als solch ein großes Heer, das gleichsam von einem Willen und vom hohen Geiste der Ordnung be seelt scheint."