Book 2
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Dies war nämlich von Uralters her bei den Athenern mehr als bei Andern Sitte. Denn unter Kekrops und den ersten Königen bis aus die Zeiten des Theseus wurde Attika durchweg in einzelnen Stadtgemeinden bewohnt und zählte viele Prytaneen und Archonten; und wenn nichts Besonderes zu fürchten war, so ging man auch nicht zum König, sich gemeinsam zu beratheu, sondern jede Gemeinde regierte und berieth sich selbst, und es kam auch sogar vor, daß Einzelne unter einander Krieg führten, wie die Elensinier mit dem Eumolpos gegen den Erechtheus. Als aber Theseus König geworden war, der zur Klugheit auch Macht besaß, tras er seine übrigen Einrichtungen im Lande, und nachdem er auch die Rathhäuser und Regierungen der andern Gemeinden aufgelöst hatte, machte er die jetzige Stadt zum gemeinsamen Mittelpunkt der Gemeinwesen, indem er nur Ein Rathhans und Ein Prytanenm gelten ließ; und wenn er auch einen Jeden über das Seine frei schalten ließ, wie vorher, so nöthigte er sie doch, in Athen die einzige Stadt zu sehen, welche denn auch, da Aller Leistungen hier zusammenflössen, von Theseus den Nachkommen groß und mächtig überliefert wurde. Daher kommt es auch, daß die Athener noch heutiges Tags zu Ehren der Göttin (Athene) öffentlich das Fest der Synoikia (d. i. Vereinigung der Wohnorte) begehen. Vor jener Zeit nannte man das Stadt, was jetzt Akropolis (Hochstadt) heißt, und was sich südlich an dieselbe anschließt. Zum Beweise dafür dient sowohl, daß auch die Tempel anderer Götter in der Akropolis bei einander liegen, als auch der Umstand, daß die außerhalb gelegenen näher an diesem Stadttheile erbaut sind; so der Tempel des Olympischen Zeus, das Pythische Hciligthum, der Tempel der Ge und der des Dionysos bei den Teichen, dem zu Ehren am zwölften des Monats Anthestenan die älteren Dionysien gefeiert werden, welche Sitte auch die von den Athenern abstammenden Joner noch heutzutage beobachten. Es stehen aber auch noch andere Heiligthümer in der Nähe dieses Stadttheiles, und so bediente man sich auch bei bedeutungsvollen Gelegenheiten, weil sie eben nahe lag, der Quelle, welche jetzt Enneakrnnos (Nennbrunn) heißt, seitdem die Tyrannen sie auf die jetzige Weise Herrichten ließen; srüher aber, als der Qnellgrund 431 v. Chr. Hr. selbst noch offen lag, wurde sie Kallirrhoe genannt (d. i. Schönbrunn). Und von diesem alten Gebrauch her hat sich auch jetzt noch der Glaube erhalten, daß man vor Hochzeitsfesten und sonst bei feierlichen Gelegenheiten aus dieser Quelle schöpfen müsse. — Wegen dieser alten Wohnnngsverhältnisse wird die Akropolis bis ans den heutigen Tag von den Athenern die Stadt genannt.