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Ἱστορίαι

Ἱστορίαι Thucydides

Book 2

35.2 Denn schwer ist es das Maß der Rede zu treffen wo überhaupt kaum die Wahrheit zu veranschaulichen möglich ist. Denn wer mit dabei war und den Dingen Gerechtigkeit widerfahren lassen will, der könnte leicht den Eindruck haben daß alles hinter seinem Willen und Wissen zurückbleibe. Der Unerfahrene aber wird es für übertrieben halten: aus Neid nämlich wenn er von Dingen hört die über seine Kräfte gehen. Denn daß anderen Lob gezollt werde ertragen die Menschen nur insoweit als auch jeder für seine eigene Person sich fähig hält, etwas von dem was er gehört hat zu vollbringen. Was aber darüber hinaus geht das neiden sie schon und schenken ihm keinen Glauben.
35.3 Da es indessen unsern Vorvordern so gut deuchte, muß auch ich dem Gesetze gehorchend versuchen, euer aller Erwartung und Wunsch zu erfüllen, so wie es in meiner Macht steht.-
36.1 Beginnen aber will ich mit unsern Vorfahren; denn dies ist nur gerecht gegen sie und ziemend, ihnen bei dieser Feier die Ehre des Gedächtnisses zu geben. Sie allein bewohnten dieses Land, nie vermischt mit Fremden, von ewigen Zeiten her, und in der Folge der Geschlechter bis zur Stunde überlieferten sie es dank ihrer Tapferkeit als ein freies Land bis auf uns.
36.2 Doch wenn jene würdig des Lobes sind, unsere Väter sind es noch mehr. Denn über das was ihnen überkommen war hinaus errangen sie, nicht ohne Mühen wahrlich, die Macht die wir jetzt innehaben und hinterließen sie uns, den Lebenden.
36.3 Das Höchste an Macht freilich haben wir selbst, das Geschlecht von heute, angehäuft und gefestigt in der Kraft unserer Mannesjahre und die Stadt in allen Stücken in den Stand gesetzt daß sie im Kriege wie im Frieden ganz sich selbst genüge.

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