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Ἱστορίαι Thucydides

Book 2

35 „Die Redner, welche vor mir an dieser Stelle gesprochen, sind in der Regel des Lobes voll darüber gewesen, daß man bei unserer Totenfeier auch diese Rede eingeführt habe, sei eS doch eine schöne Sitte, unsere gefallenen Helden durch eine Rede am Grabe zu ehren. Nach meinem Gefühl hätte man eS lieber dabei lassen sollen, die Verdienste, die sich diese Männer durch ihre Taten erworben, auch nur durch eine Tat zu ehren, ich meine, durch solch ein ehrenvolles Begräbnis, wie ihr es heute wieder mit angesehen habt, anstatt es für die Beginn­ bigung der Verdienste so vieler Helden darauf ankommen zu lassen, ob einer eine gute oder eine schlechte Rede hält. Eine solche Rede zu halten, ist schwer, und eS wird dem Redner kaum gelingen, seine Zuhörer zu überzeugen, daß er jene Ver­ dienste zutreffend gewürdigt habe. Denn wer selbst mit dabei gewesen und überhaupt ein guter Athener ist, wird die Rede im Vergleich zu dem, was er erwartet und von der Sache weiß, leicht zu matt finden, wer es aber nicht selbst miterlebt, wird manches für übertrieben halten, weil man keinem ein Lob für Leistungen gönnt, die man sich selbst nicht auch zu­ traut; denn soweit man es anderen noch gleichtun zu können meint, kann man das ihnen erteilte Lob allenfalls ertragen, darüber hinaus aber ist man gleich neidisch und will nicht daran glauben. Da man nun aber seinerzeit der Meinung gewesen ist, daß es so besser sei, so muß auch ich mich der eingeführten Ordnung fügen und werde versuchen, es jedem von euch möglichst nach Wunsch und Sinn zu machen.

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