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Ἱστορίαι

Ἱστορίαι Thucydides

Book 2

35 431v Chr. „Die an diesem Orte vor mir gesprochen, haben meist Dem eine Lobrede gehalten, der zu dem gesetzlichen Brauche noch diese Art von Rede hinzugefügt hat, weil es für ihre eigene Person ihnen ehrenvoll schien, zum Preise der im Kampfe Gefallenen zu sprechen. Mir aber schien es zu genügen, wenn tapferer Männer Thaten auch nur durch eine That geehrt werden, — durch eine Handlung, meine ich , wie ihr sie hier zu diesem Begräbnis; aus öffentlichem Wesen in's Werk gesetzt seht, — und nicht sollte von Einem Manne die Tapferkeit vieler Männer Gefahr fürchten müssen; denn, wem ihr Lob anvertraut wird, kann vielleicht gut reden, aber vielleicht auch schlecht. Im Reden das rechte Maß halten, ist schwer, und kaum wird auch durch dasselbe eine richtige Anschauung von der Wahrheit hervorgerufen. Denn wer von den Zuhörern die Thaten selbst mit angesehen hat, und sosern er ein wohlwollender Mann ist, wird leicht die Schilderung unter seiner eigenen Erwartung und seiner Kenntniß finden. Wer aber des Vorgefallenen unkundig ist, wird Manches für übertrieben erachten, weil sich in ihm der Neid regt, wenn er von Dingen hört, die über seine Kräfte gehen. Denn bis zu dem Punkte ertragen die Menschen wohl Lobsprüche auf Andere, so lange Jeder glaubt, selbst solcher Thaten fähig zu sein, wie er sie da mit anhört. Was aber darüber hinausgeht, dem schenkt man keinen Glauben, weil sich dann der Neid regt. Weil es aber denen vor uns als löblicher Gebrauch ershcienen ist, so muß auch ich mich in das Gesetz schicken und muß streben, Euer Aller Wunsch und Meinung zu genügen, so gut ich's kann."

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