Book 2
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Das war, abgesehen von mancherlei besonderen Er scheinungen, wie sie sich hier und da zeigten, im allgemeinen die Gestalt, in der die Krankheit auftrat. Andere gewöhnliche Krankheiten aber kamen in jener Zeit nicht vor, und wenn es etwa doch der Fall war, schlugen sie in diese um. Die Menschen starben, mochten sie sich selbst überlassen oder aufs beste ver pflegt sein. Es gab in der Tat kein Mittel, das man dagegen mit einiger Aussicht auf Erfolg hätte anwenden können; denn^ was dem einen nützte, schadete dem anderen. Der Krankheit gegenüber verschlug es nichts, ob einer von Haus aus eine feste Gesundheit hatte oder nicht; sie raffte alles hin auch bei der sorgfältigsten Behandlung. Das Schlimmste war die Mut losigkeit, wenn einer sich krank fühlte, daß er sich in der Ver zweiflung gleich völlig aufgab und keinen Widerstand mehr leistete, und daß infolge der Ansteckung die Menschen starben wie die Fliegen. Und das war grade ein Hauptgrund der großen Sterblichkeit. Denn wenn man es aus Furcht vor An steckung vermied, mit den Kranken in Berührung zu kommen, und niemand sich ihrer annahm, so starben diese, wie denn in der Tat manche Häuser, wo es an Pflege fehlte, völlig aus-^ starben. Wer aber die Kranken besuchte, war selbst ein Kind des Todes, und das traf grade vorzugsweise die Mutigen, die es für Pflicht hielten, ihren Mitmenschen hilfreich beizustehen. Denn die sahen es für Ehrensache an, sich selbst nicht zu schonen und ihre Freunde zu besuchen, da deren Angehörige, durch das grenzenlose Elend gebrochen, es schließlich müde wurden, an den Sterbebetten zu jammern. Am meisten aber^ erbarmten sich solche der Kranken und Sterbenden, welche die ^ Krankheit selbst bereits überstanden hatten, weil sie sie aus Erfahrung kannten und sich selbst jetzt davor sicher wußten. Denn zum zweitenmal kriegte sie niemand so, daß er daran gestorben wäre. Darum wurden sie von anderen glücklich ge priesen und waren selbst froh, daß sie für diesmal glücklich durchgekommen waren und immerhin hoffen durften, auch bei einer etwaigen neuen Erkrankung wenigstens mit dem Leben davonzukommen.