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Ἱστορίαι Thucydides

Book 2

52 Zu allem Elend kam dann noch der Zusammenfluß so vieler Menschen vom Lande in die Stadt, und diese selbst hatten darunter am meisten zu leiden. Denn da sie nicht Häuser genug vorfanden und die Sommerzeit in heißen und dumpfigen Buden zubringen mußten, trat unter ihnen ein grauenhaftes Sterben ein. So wie sie übereinander verreckten, blieben sie als Leichen liegen, oder sie wälzten sich halbtot auf den Straßen oder vor Gier nach Wasser um die Brunnen. Selbst die Tempel, in denen sie untergekommen und dann gestorben waren, tagen voller Leichen. Bei dem grenzenlosen Elend wußten die Menschen eben nicht mehr, was sie anfangen sollten, und kümmerten sich nicht länger um Religion und fromme Sitte. Auch über alles, was bis dahin bei Begräbnissen Rechtens ge­ wesen war, setzte man sich hinweg, und jeder begrub seine Toten, so gut er konnte. Manche gingen dabei gradezu scham­ los zu Werke, weil ihnen schon so viele gestorben waren, daß es ihnen an den nötigen Mitteln für ein Begräbnis fehlte. Sie legten ihre Toten auf fremde Scheiterhaufen und zündeten sie an, ehe die Leute, die sie aufgeschichtet hatten, dazu kamen, oder warfen die mitgebrachte Leiche auf den ersten besten, schon brennenden Scheiterhaufen und machten dann, daß sie wegkamen.

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