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Ἱστορίαι Thucydides

Book 2

53 Überhaupt war die Pest für Athen der Anfang mehr und mehr um sich greifender Gesetzlosigkeit. Dinge, denen man früher höchstens im geheimen gefrönt, trieb man jetzt mit schamloser Offenheit; hatte man doch die schnellen Glückswechsel vor Augen, wie die Reichen plötzlich starben und Leute, die bis dahin nichts gehabt, mit einmal in den Besitz ihres Ver­ mögens gelangten. Alles trachtete nach hastigem Genuß und stürzte sich in den Taumel der Sinnenlust, da es ja mit dem Leben wie mit dem Gelde über Nacht vorbei sein konnte. Für einen guten Zweck sich abzumühen, hatte keiner mehr Lust; denn wer sagte ihm, ob er nicht längst tot sein würde, bevor er ihn erreicht? Schon der Genuß an sich und alles, waS irgendwie dazu beitragen konnte, galt ohne weiteres auch für gut und löblich. Weder Furcht vor den Göttern noch menshc­ I liches Gesetz wehrte dem Verbrechen; denn da man alle ohne Unterschied tserben sah, schien es ja doch einerlei zu sein, ob man die Götter fürchtete oder nicht, und niemand glaubte, daß er noch so lange leben würde, bis eine bürgerliche Strafe für seine Verbrechen über ihn verhängt werden könnte; schwebte doch schon ein weit schwereres Verhängnis über seinem Haupte, und bis das auf ihn hereinbrach, wollte er wenigstens sein Leben noch genießen.

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