Book 2
40.4
Auch unser Edelmuth ist von einer andern als der gewöhnlichen Art. Denn erstlich sind es erwiesene und nicht empfangene Wohlthaten, was unsere Freundschaften schliefst, und der Gebende ist immer auch zuverlässiger, um sich die Dankesschuld des Wohlwollens bei dem Empfänger stets ausstehend zu erhalten ; während der Verpflichtete fühlt, dass seine aufopferndste Freundschaft doch nur Schuldigkeit und kein Verdienst ist und dadurch verdrossen wird.
40.5
Und dann ist es wie nirgend sonst das Selbstgefühl der Freiheit, das uns den Muth verleiht, ohne Berechnung des Vortheils einem Jeden beizustehen.
41.1
Kurz, wie Athen selber als Griechenlands Bildungsschule dasteht, so mag man auch getrost jeden seiner Bürger als ein Muster der vielseitigsten Befähigung zu den Geschäften, der genialsten Gewandtheit hinstellen.
41.2
Und dass dies nicht rednerischer Selbstruhm, sondern That und Wirklichkeit ist, das bezeugt selbstredend die Macht des Staates, die nur solche Männer erwerben konnten.
41.3
Die Welt staunt über eine Macht, die in der Probe das Gerücht noch übertrifft, die keinem Angreifer Ursache lässt, nach dem blutigen Versuch seiner Besieger sich zu schämen, keinem Unterthanen, den Herrscherberuf seiner Gebieter in Zweifel zu ziehen.
41.4
Und welche Proben haben wir nicht von unserer Macht abgelegt, unvergängliche Denkmale, die uns die Bewunderung der Mit - und Nachwelt sichern! Unser Ruhm bedarf keines Homeres mehr, keines Dichters, dessen Gesänge zwar den Hörer erfreuen, während doch seine vermeintlichen Kämpfe vor der Prüfung nicht bestehen können; vielmehr hat sich unser Schwert zu jedem Land und Meer unaufhaltsam den Zugang erstritten und überall bleibende Denkmale von Strafe und Belohnung hinterlassen.
41.5
Und dies ist das Vaterland, um dessen Besitz unsere Todten im ruhmvollen Kampfe gefallen sind, und welches auch uns Ueberlebende alle zu jeglichem Opfer verpflichtet.