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Ἱστορίαι Thucydides

Book 2

61 „Gewiß, wenn man sonst gut zufrieden ist und die Wahl hat, wäre es töricht, Krieg anzufangen. Wenn man aber keine andere Wahl hat, als entweder klein beizugeben und sich fremder Herrschaft zu unterwerfen oder aber der Gefahr die Stirn zu bieten, um sich zu behaupten, so ist es schimpflich, sich aus Furcht vor der Gefahr vor ihr zu drücken. Ich bin noch der­ selbe und stehe auf meinem alten Standpunkt, ihr aber seid umgefallen. Damals im Glück folgtet ihr meinem Rat, jetzt aber im Unglück kriegt ihr es mit der Reue und meint in eurer Kurzsichtigkeit, ich hätte euch falsch beraten. Die augen­ blicklichen Nachteile empfindet ihr schon, die späteren Vorteile aber erkennt ihr noch nicht und denkt nicht hoch genug, um auch nach dem großen Glückswechsel, der euch so plötzlich be­ troffen, an euren Beschlüssen festzuhalten. Freilich, so völlig unerwarteten und unbegreiflichen Schicksalsschlägen erliegt der Mensch, und so ist es euch vor allem bei der Pest ergangen. Und doch solltet ihr als Bürger dieser stolzen Stadt, in deren Anshcauungen ihr aufgewahcsen seid, auch im größten Unglück den Mut nicht verlieren und euern Ehrenschild rein halten; denn mit gleichem Recht verachtet man den Feigling, welcher der ihm gebührenden Ehre was vergibt, wie man den Un­ verschämten verabscheut, der sich eine Ehre anmaßt, die ihm nicht zukommt. Darum verschmerzt auch ihr euer häusliches Leid und laßt das Vaterland nicht zugrunde gehen!

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