Book 2
45.2
Noch sei mir ein Wort der Aufrichtung erlaubt an die Frauen, die jetzt Wittwenkleider tragen müssen. Was könnte ich ihnen weiter zurufen als: Fasset euch und mässiget das weibliche Gefühl; dies sei eurer Eingeiz und das Loos, bei Männern, sei's zu Lob oder Tadel, kaum genannt zu sein.
46.1
Und nun, da ich als Festredner nach bestem Wissen dem Gesetze genügt, und die Veranstaltungen zur Ehre der Bestatteten theils schon beendigt, theils die alsbaldige Uebemahme der Erziehung ihrer Söhne bis zum Mannesalter vom Staate freigebig beschlossen ist — und solche Aufopferung jetzt und in Zukunft nicht ungelohnt zu lassen, ist er sich schuldig; denn je grösser der Ehrenpreis, der den Tapfern erwartet, desto mehr zuverlässige Männer hat der Staat —
46.2
so trocknet die Thränen, die ihr den Euern geweint, und lasset uns gehen. Hrn. Dr. Krahner's Erläuterungen über den Gedankenplan des Epitaphios konnten verspäteter Zusendung wegen bei dem vorstehenden Uebersetzungsversuch leider nur theilweise berücksichtigt werden.
59.1
Männer von Sicilien! Ihr wisset, nicht die Ohnmacht meiner Vaterstadt oder ihre Erschöpfung durch den Krieg ist es, was mir diese Worte eingibt, sondern allein die uneigennützige Absicht, dem gesamten Sicilien den besten Rath zu ertheilen, den es nach meiner Ueberzeugung für dasselbe gibt. Ich möchte von dem Krieg und seinen Leiden anheben und über seine zahllosen Uebel mich verbreiten; indes ihr kennet sie ja. Denn so wenig Unkunde die Schuld trägt an einem aufgenöthigten Kriege, ebensowenig lässt sich die Eroberungslust durch Furcht von ihm zurückschrecken. Natürlich; ihr erscheinen die Vortheile grösser als die Gefahren, während man dort sich lieber den Kriegsgefahren aussetzen will, um einem gewissen Verlust zu entgehen. Aber eben wenn es sich ergibt, dass beide Grundsätze zur Unzeit in Anwendung gebracht werden, dann ist eine Mahnung zur Friedfertigkeit am Platze. Dies ist gerade unser Fall, und es liegt alles daran, dass wir uns davon überzeugen.