Book 3
12
„Was ist das also für eine Freundschaft, und wie fest ist die Freiheit begründet, in welcher wir einander freundlich und beflissen begegneten, während es uns beiden ganz anders um's Herz war? Im Kriege haben jene aus Furcht uns den Hof gemacht, im Frieden thaten wir dasselbe ihnen gegenüber. Während bei Andern gegenseitiges Wohlwollen das Vertrauen vorzüglich kräftigt, war es bei uns die Furcht, was unser Verhältniß zusammenhielt. Mehr durch Furcht als durch Freundschaft zurückgehalten, blieben wir ihre Bundesgenossen, und wer zuerst von uns beiden in seiner Sicherheit den Muth dazu gesunden hätte, der würde auch zuerst bereit gewesen sein das Verhältniß zu brechen. Wenn also Einer glaubt, wir seien im Unrecht srüher abzufallen, weil jene noch zögerten die uns zugedachten Feindseligkeiten zu eröffnen, und wir hätten vielmehr abwarten sollen, bis wir gewiß wußten, daß von ihrer Seite etwas drohe, — der urtheilt nicht richtig. Denn wären wir in der Lage gewesen, im Besitze gleicher Mittel, ihren Anstalten unsere Anstalten, ihrer Zögerung unsere Zögerung entgegenzustellen, so hätten wir uns allerdings ganz nach ihrem Benehmen richten müssen. Da aber jene die Möglichkeit hatten 9) Darunter sind nach dem Scholiasten wohl auch Geschenke an die Partei- führer zu verstehen. 428 v. Chr. zu jeder Zeit anzugreifen, so muß es auch uns freistehen, uns im Voraus sicher zu stellen."