Book 3
27
Inzwischen sahen sich die Mytilener, da die Schiffe vom Peloponnes immer noch nicht ankamen und die Lebensmittel ihnen ausgingen, doch genötigt, sich den Athenern zu ergeben, und das kam so: Salaithos, der selbst schon nicht mehr auf die Schiffe rechnete, beabsichtigte, einen Ausfall gegen die Athener zu machen, und hatte dazu dem Volke, das bis dahin nur leichte Waffen führte, schwere Rüstungen geben lassen. Als die Leute solche Waffen hatten, wollten sie jedoch der Regierung nicht länger gehorchen, rotteten sich zusammen und verlangten, die großen Herren sollten mit ihrem Kornvorrat herausrücken und ihn unter das Volk verteilen, sonst würden sie sich mit den Athenern in Verbindung setzen und ihnen die Stadt übergeben.
28
Die Mitglieder der Regierung sahen ein, daß dagegen nichts zu machen war, und daß es gefährlich für sie sein würde, wenn der Vertrag ohne sie zustande käme. Sie schlossen des halb im Namen der ganzen Bürgerschaft mit Paches und dessen Heere einen Vergleich, wonach sich die Stadt den Athenern auf Gnade und Ungnade ergab, die Mytilener die Truppen in die Stadt aufnehmen, ihrerseits aber Gesandte nach Athen schicken sollten, um ihre Sache dort zu führen. Jedoch sollte Paches bis zu deren Rückkehr keinen Mytilener ins Gefängnis legen, als Sklaven verkaufen oder hinrichten lassen. So war es in dem Vergleiche ausgemacht. Die Hauptanhänger der Lakedämonier in der Stadt trauten gleichwohl der Sache nicht, sondern flüchteten beim Einzüge der Athener in der Angst auf die Altäre. Paches aber ließ sie aufstehen, da man ihnen nichts zuleide tun werde, und sie nach Tenedos in Verwahrung bringen, bis in Athen eine Entscheidung getroffen sein würde. Hierauf schickte er ein paar Kriegsschiffe nach Antissa und nahm es ebenfalls in Besitz und traf auch im übrigen in betreff seiner Streitkräfte alle ihm zweckmäßig erscheinenden Anordnungen.