Book 3
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Gleich nach diesem Einfalle der Peloponnesier fiel Lesbos mit Ausnahme der Stadt Methymne') von den Athenern ab, was 1) Die Insel Lesbos, nach Strabo XIII, 616. 1100 Stadien, d. i. 27 bis 2S Meilen im Umfang, wurde nach Herodot, Leben Homer's SS. 130 Jahre nach dem Trojanischen Kriege mit Kolonisten besetzt, während sie früher keine Städte gehabt haben soll. GrayS, des Penthylos Sohn, Nachkomme Orest's, soll peloponnesische Achaier, gemischt mit andern Aeoliern aus Böotien und Thessalien dahin geführt haben. Die äolischen Kolonien an der Küste Kleinasiens, und selbst Kyme, welches seinen vortrefflichen Hasen erst spät benutzte, wurden durch Lesbos verdunkelt. Ueppige Luft, höchst fruchtbarer Boden und herrliche Weinpflanzungen zeichneten es auS, daher es bei den Alten das seelige, liebreizende genannt wird (Plin. Naturgesetz. S, 39). Hier wurden Wcttkämpfe der Weiberschönheit zu Ehren der Hera abgehalten, wie auch aus Tenedos und an den Ufern des AlpheioS in Arkadien. Trunk und Wollust waren vor- ThukydideS. lll. 13 428 v. Chr. sie schon vor dem Kriege hatten thun wollen; aber die Lakedämonier nahmen sie damals nicht an. Auch dieses Mal waren sie genöthigt, herrshcende Laster; daneben aber herrschte große geistige Rührigkeit, wie denn die Insel von den frühesten bis in die späteren Zeiten viel Ausgezeichnetes auf dem Gebiet des Geistes hervorgebracht hat: Pittakos, einen der sieben Weisen, dann Alkäos, den Dichter und gleichzeitig Sappho, „eine wunderbare Erscheinung; denn in dem so großen Zeiträume menschlichen Denkens ist meines Wissens keine Frau aufgetreten, die in der Dichtkunst mit jener auch nur entsernt zu vergleichen wäre," (Strabo XIII, 617); — den Redner Diophanes; die Sänger Arion aus Methymne und Terpander, der sich zuerst der siebensaitigen Leier bediente anstatt der viersaitigen, daher von ihm die Verse: Wir jedoch wollen dir jetzt, viertönigem Liede entsagend. Neue Gesäng' anstimmen zu siebensaitiger Leier; — die Peripatetiker Phanias und Theophrast, aus Eresos, von dem es heißt, daß Aristoteles zwar alle seine Schüler beredt gemacht habe, zum beredtesten aber Theophrast, den Eresier. Auch die Geschichtschreiber Hellanikos und Theophanes, Freund Pompejus d. Gr., und Kallias, Erklärer des Alkäos und der Sappho, waren Lesbier. Die Insel hatte fünf größere Städte: Mytilene, Antissa, Pyrrha, Eresos und Methymna. — Mytilene, die größte Stadt, war anfangs auf einer kleinen Insel dicht vor der größeren, dann aus dieser selbst erbaut. Die schmale Meerenge zwischen beiden (jetzt ist auch die kleinere Insel mit Lesbos verbunden) wurde zu zwei Häfen benützt: der südliche, verschlossene, faßte 50 Dreiruderer, der nördliche war größer und tiefer und durch einen Damm geschützt. Die Stadt war, wie Strabo sagt, mit Allem wohl versehen. Nächst ihr war die Hafenstadt Methymna die bedeutendste, und während Antissa, Pyrrha und Eresos von Mytilene in Abhängigkeit gerathen zu sein scheinen, bewahrte dieß seine Selbständigkeit, daher Eifersucht zwischen beiden. Aus älterer Zeit wird von Parteikämpsen erzählt, in deren Folge Zwingherrn in Mytilene austraten, Myrsilos, Melanchros, die Kleanaktiden. Die sogenannten Aufruhrlieder des Alkäos waren gegen diese gerichtet. Nun trat Pittakos als Aesymnet aus. So, d. h. Ausgleicher, nannte man Männer, welchen in Folge der Achtung, die sie bei allen Parteien genossen, die unumshcränkte Gewalt auf unbestimmte Zeit anvertraut wurde, um den Parteikamps zu schlichten und Ordnung wieder herzustellen. (Vergleiche besonders Plutarch, Solon, Kap. 14). Pittakos führte seine Ausgabe durch und legte dann das Regiment nieder. — Seit Dareios Hystaspis war Lesbos den Persern unterthänig. Es betheiligte sich dann am Aufstand des Aristagoras, allein Krieger waren die Lesbier nicht, sie verloren den Muth und ließen sich wie die Samier gewinnen, während der Schlacht zu den Persern überzugehen. Nun folgte wieder Tyrannis unter perfischer Oberhoheit, dann die Besreiung durch die Schlacht von Mykale. In Folge den Abfall früher in's Werk zu setzen, als sie zu thun im Sinne hatten; 428 v. Chr. denn sie hatten warten wollen, bis die Häfen abgedämmt, die Mauern ausgebaut und die Ausrüstung der Schiffe vollendet und Alles angelangt wäre, was aus dem Pontos Euxinos kommen sollte, Bogenschützen , Getreide und was sie sonst von dort erwarteten. Aber die Tenedier^), die ihnen gram waren, wie auch die Methymnäer und selbst eine Partei unter den Mytilenäern, Gastfreunde der Athener, hatten in Folge eines Zwistes unter den Bürgern den Athenern die Anzeige gemacht, das; jene mit Gewalt alle Bewohner der Insel nach Mytilene verpflanzen wollten, und daß sie mit Beihülfe der Lakedämonier und der Böotier, die ihnen blutsverwandt waren, sich eifrig rüsteten, um in Bälde abzufallen, und wenn man nicht zuvorkomme, so würde Lesbos verloren gehen.