Book 3
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„Wir machen es umgekehrt, ja noch schlimmer. Auch wenn wir überzeugt sind, daß einer recht hat, aber den Ver dacht hegen, daß er bestochen sei, so lassen wir ihn zum offen baren Schaden der Stadt im Stich, weil wir ihm den dann doch bloß vermuteten Gewinn nicht gönnen. Es ist nun einmal bei uns nicht anders; das Gute, gradeheraus gesagt, ist der Verdächtigung nicht minder ausgesetzt als das Schlechte, und wie der ärgste Bösewicht die Leute durch falsche Vorspiege lungen ködern muß, so ist auch der ehrliche Mann genötigt, ihnen Wind vorzumachen, wenn sie ihm glauben sollen. Nur hier in Athen bei unserer Überklugheit ist es unmöglich, dem Staate offen und ehrlich zu dienen. Denn wer offen etwas für ihn tut, wird gleich verdächtigt, im geheimen sein Schäfchen dabei geschoren zu haben. Bei alledem müßt ihr anerkennen, daß wir Redner, wo es sich um die wichtigsten Dinge handelt, doch weiter sehen als ihr in eurer Kurzsichtigkeit, zumal wir für unsere Anträge vor Gericht verantwortlich sind, ihr aber als Zuhörer unverantwortlich seid. Wäre die Sache für den, der den Antrag annimmt, ebenso gefährlich wie für den Redner, der ihn stellt, so würdet ihr nicht so in den Tag hinein be schließen. Jetzt aber laßt ihr in irgendeinem augenblicklichen Ärger allein den Antragsteller dafür büßen, wenn ihr euch verhauen habt, während alle anderen frei ausgehen, so viele ihrer auch mitgesündigt haben.