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Ἱστορίαι

Ἱστορίαι Thucydides

Book 3

38 ,Ich meines Theils bleibe bei meiner Meinung, und kann 25) Dieser Grundsatz war gewiß ein Paradepferd des selbst ungebildeten Kleon. Daher AristophaneS in den Rittern, ihn verspottend: Regieren ist kein Ding für Leute Von Charakter und Erziehung! Niederträchtig, Unwissend muß man sein! Drum folge du Dem Ruf. den dir der Götterspruch verkündet! Worte, an den Wursthändler gerichtet, dem ein Orakel verheißt, daß er Kleon stürzen werde, und der sich als unfähig zum Regieren erklärt, weil er nichts gelernt habe. 427 v. Chr. mich nur wundern über die, welche die Angelegenheit der Mytilenäer noch einmal zur Sprache bringen und damit einen Zeitverlust herbeiführen, der nur den Schuldigen zu Gute kommt. Denn dadurch wird nur der Zorneifer abgeschwächt, mit welchem der Beschädigte gegen den Schädiger vorgehen sollte, während doch nur die Rache, die der Beleidigung aus dem Fuße folgt, mit gleicher Wage die gerechte Wiedervergeltung übt. Es soll mich aber auch wundern, wer mir hierin zu widersprechen sich herausnehmen wird, und zu beweisen, daß die Verbrechen der Mytilenäer für-uns nutzbringend seien, unser Vortheil aber für die Bundesgenossen Nachtheil einschließe. Ein solcher müßte doch im Vertrauen auf seine Rednergabe den Gegenbeweis zu führen streben, nicht das Allgemein Anerkannte sei zum Beschlusse erhoben worden, oder er müßte durch Geld bestochen sein, euch durch Redekunst, die den Schein der Wahrheit borgt, hinter's Licht zu führen. Der Staat aber läßt die Siegespreise solcher Wettkämpfe Andern zukommen ; er selbst behält nur die Gefahren für sich. Und die Schuld hiervon tragt ihr, als schlechte Kampfrichter, denn euer Augenmerk richtet ihr nur auf die Reden, die Thatsachen aber hört ihr nur so nebenher mit an, und künftige Unternehmungen beurtheilt ihr nach denen, die schöne Worte darüber machen, wie leicht sie auszuführen seien, — was aber bereits geschehen ist, nach denen, die mit schönen Worten Ausstellungen zu machen wissen: nnd ihr solltet doch bedenken, daß man sich bei geschehenen Dingen besser auf seine eigenen Augen verläßt , als auf fremdes Gerede. Durch unerwartete Neuheit der Rede euch hinter's Licht führen zu lassen, versteht ihr vortrefflich, und ebenso auch, der überzeugenden Bewährtheit eines Vorschlags eure Ohren zu verschließen; denn ihr seid Sklaven des Außerordentlichen und Verächter des Gewöhnlichen. Jeder will nur selbst zum Reden kommen, und wenn nicht das, so doch mit denen, die solcherlei vortragen, wie im Wettkampf ringen, um den Schein zu vermeiden, als käme seine eigene Einsicht nur so hinterdrein, oder auch um schnell noch die eigene Ansicht auszusprechen, bevor jener noch geredet. Ihr seid ebenso flink, voraus zu errathen, was gesagt werden wird, als schwerfällig, die Folgen desselben vorauszusehen. Ihr sucht, so zu sagen, ganz andere Dinge herbeizuführen als die Zustände, in denen wir leben, und seid doch nicht einmal im Stande, die gegenwärtige Lage vernünftig zn beurtheilen, und kurz, ihr seid immer Sklaven 427 v. Chr. des Ohrenkitzels, und ihr gleicht eher den müsftgen Gaffern auf den Bänken der Sophisten 26), als Männern, die über das Staatswohl berathen."

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