Book 3
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„Von dem aber thun wir das Gegentheil; ja sogar noch mehr: wenn Einer im Verdacht steht, durch Geld bestochen gleichwohl das Beste zu rathen, so lassen wir aus Neid wegen dieses Geldgewinns, von dem doch nur eine unsichere Vermuthung besteht, den offenbaren Vortheil des Staates dahinsahren. Es ist nun einmal so: das Gute ohne Umschweife gerade heraus gesagt wird nicht weniger verdächtigt, als das Schlechte; die Folge davon ist: wie der schlimmste Rathgeber die Menge durch Betrügereien gewinnen muß, ebenso muß der, welcher zum Besseren räth, sich erst durch Flunkern Vertrauen gewinnen. Und so ist es denn bei uns, in Folge der Ueberklugheit, unmöglich, dem Staate durch grades Vorgehen und ohne Schliche einen Nutzen zu erweisen. Denn wer offenkundig dem Staate Gutes thut, dem wird mit dem Verdachte gelohnt, daß er im Geheimen irgendwie einen noch größeren Gewinn dabei in Aussicht habe. Gleichwohl müssen wir, trotz diesen Zuständen, wo es sich um die höchsten Dinge handelt, in dem, was wir reden, weiter sehen, als ihr Kurzsichtigen, zumal wir für unsere Vorschläge verantwortlich sind, ihr aber als Zuhörer unverantwortlich. Wenn der Ueberredende und der Zustim- 15* 427 v. Chr. mende gleicher Gefahr ausgesetzt wären, so möchtet ihr in eurem Urtheil wohl bedächtiger sein. So aber straft ihr in eurer Hitze beim ersten besten Mißlingen einzig und allein die eine Abstimmung dessen, der euch überredet hat, und nicht eure eigenen, wenn sie auch in großer Zahl mitgesündigt haben."