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Ἱστορίαι

Ἱστορίαι Thucydides

Book 3

57 „Jetzt, und auch das solltet ihr bedenken, geltet ihr in Griechenland allgemein als Muster rechtschaffener Gesinnung. Wenn ihr aber gegen uns ein schnödes Urteil sprecht - und bei eurem Ansehen und dem guten Ruf, den auch wir ge­ nießen, wird dieser Prozeß von sich reden machen so sollt ihr die Entrüstung erleben, daß gegen ein tapferes, wenn auch euch nicht gewachsenes Volk solch ein Justizmord verübt und die uns, den Wohltätern Griechenlands, abgenommene Beute in den vaterländischen Heiligtümern aufgestellt werden konnte. Ein entsetzlicher Gedanke, daß Platää von Lakedämoniern zer­ stört würde, daß eure Väter den Namen dieser Stadt zu Ehren ihrer Tapferkeit auf dem Dreifuß in Delphi angebracht haben, und daß ihr sie jetzt den Thebanern zuliebe in Griechenland von der Bildfläche vertilgtet. Denn so weit ist es bereits mit uns gekommen. Damals, als die Perser im Lande schalteten, haben sie unsere Stadt zerstört, und jetzt werden wir von euch, unsern alten Freunden, den Thebanern geopfert. Schon zum zweitenmal sehen wir dem Tode ins Angesicht; eben erst waren wir in Gefahr, Hungers zu sterben, wenn wir die Stadt nicht übergaben, und jetzt stehen wir vor diesem Blutgerichte. Wir Platäer, die wir für die Griechen über unsere Kräfte Gut und Blut eingesetzt haben, sind heute verstoßen von aller Welt, verlassen und vogelfrei. Unter unseren damaligen Bundes­ genossen ist nicht einer, der sich unser annimmt; und auch ihr Lakedämonier, unsere einzige Hoffnung, fürchten wir, werdet uns im Stich lassen.

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