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Ἱστορίαι Thucydides

Book 3

67 „Auf diese Dinge, Lakedämonier, sind wir sowohl euret­ wegen als unseretwegen so weit eingegangen, um euch zu über­ zeugen, daß ihr sie mit Recht verurteilen könnt, und um uns vollends von der Pflichtmäßigkeit unserer Rache zu durch- dringen. Laßt euch nicht rühren durch alte Tugenden, die sie im Munde führen und immerhin gehabt haben mögen. Darauf mag der unschuldig Leidende sich berufen, den Nichtswürdigen machen sie nur doppelt strafbar; denn er frevelt dann gegen sein besseres Selbst. Auch ihr Ach und Weh darf ihnen nichts nützen, nicht ihr Jammer über die Gräber eurer Väter und ihre Verlassenheit. Können doch auch wir demgegenüber auf das noch traurigere Los unserer Jugend hinweisen, die unter ihren Streichen bluten mußte. Das waren die Söhne der Väter, die, um euch Böotien zu gewinnen, bei Koroneia fielen oder jetzt alt und verlassen im leeren Hause euch mit größerem Recht um Rache bei den Platäern anstehen. Unverschuldetes Mißgeschick ist bedauernswert, trifft es aber den Übeltäter, der es nicht besser verdient, wie sie hier, so kann man sich nur darüber freuen. Auch ihre jetzige Verlassenheit haben sie nur sich selbst zuzuschreiben, denn ihre besten Bundesgenossen haben sie verschmäht. Gegen uns, die wir ihnen nichts zuleide getan hatten, haben sie sich schändlich vergangen, sich über das Recht hinweggesetzt und nur von ihrem Haß leiten lassen, dem ihre Strafe jetzt nicht mal entsprechen wird; denn ihnen wird nur ihr Recht werden, da sie nicht, wie sie sagen, als Schutz­ flehende die Waffen gestreckt, sondern sich bei Übergabe der Stadt freiwillig eurem Richterspruch unterworfen haben. Nun also, Lakedämonier, bringt das Recht der Hellenen, das sie mit Füßen getreten haben, wieder zu Ehren und verschafft uns für das uns angetane Unrecht die Genugtuung, welche wir durch unseren Eifer um die gute Sache verdient haben. Laßt euch durch ihr Gerede nicht an uns irremachen und gebt den Griechen ein Beispiel, daß es bei euch nicht auf Worte, sondern auf Taten ankommt. Sind die danach, so bedarf eS nicht vieler Worte; hapert es aber da, so muß man sich hinter Phrasen verstecken und zu Redekünsten seine Zuflucht nehmen. Wenn ihr aber als Vormacht des Bundes immer so kurz und bündig verfahrt wie diesmal, so wird sich so leicht niemand wieder gemüßigt sehen, sein Unrecht durch lange Reden zu beschönigen."

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