Book 3
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„Ueber diese Dinge, ihr Lakedämonier, haben wir uns deßhalb und sowohl euret- als unsertwegen ausgelassen, damit ihr wisset, daß ihr sie mit vollem Recht zum Tode verurtheilen werdet, und daß wir mit noch heiligerem Rechte Rache an ihnen gesucht haben. Laßt euer Ohr nicht rühren durch Tugenden einer vergangenen Zeit, wenn dergleichen je wirklich vorhanden waren. Solche sollen den Bedrückten zu Statten kommen, denen aber, die schändlich handeln, müssen sie Verdoppelung der Strafe wirken, weil sie sich in einer Weise vergangen haben, wie es ihrer Art nicht geziemte. Auch ihr Winseln und Wehklagen darf ihnen nichts nützen, noch daß sie ein Geschrei anheben von den Gräbern eurer Väter und der Verödung ihrer Stadt. Wir weisen dagegen auf die Blüthe unserer Bürger hin, die viel Schrecklicheres leiden und von der Hand dieser den Tod nehmen mußten. Das waren diejenigen, deren Väter theils bei Koronea fielen, indem sie Böotien euch zubrachten, theils nun, alt und verlassen im verödeten Haus, mit viel mehr Recht euch flehend nahen, ihnen an diesen hier Rache zu, schaffen. Des Mitleids sind würdiger die, welche Unverdientes leiden mußten; wen aber die Gerechtigkeit schlägt, wie diese hier, verdient im Gegentheil eher, daß man sich darüber freue. Ihre jetzige Verlassenheit haben sie nur sich selbst zuzuschreiben; denn sie haben freiwillig die besseren Bundesgenossen von sich gestoßen. Ohne vorher beleidigt zu sein, haben sie widerrechtlich gegen uns gehandelt und dabei mehr ihrem Hasse als der Billigkeit Gehör gegeben, so daß ihre Strafe jetzt kaum ihrem Verbrechen gleichkommen wird. Denn sie werden nach dem Gesetze leiden und nicht, wie sie sagen, als solche, die im Kampfe die Hände flehend emporgehoben, sondern die sich unter der Bedingung ergeben haben, nach dem Gesetze gerichtet zu werden. Schaffet nun auch, ihr Lakedämonier, Sühnung dem Gesetze der Hellenen, das von diesen übertreten wurde, und uns, die wir wider alles Recht gelitten, stattet den schuldigen Tank ab für den Eifer, den wir gezeigt haben. Laßt unsere Sache in eurem Urtheil nicht durch dieser Leute Redekünste aus dem Feld schlagen, sondern gebt den Hellenen ein Beispiel, daß ihr nicht Wettkämpfe der Worte wollt, sondern die Thaten. Sind diese brav, so genügt kurze Meldung, 427 v. Chr. faulen Thaten freilich müssen kunstvoll geschlungene Reden einen Schleier umhängen. Wenn ihr aber als Häupter des Bundes, wie jetzt, so in jedem Falle euer Urtheil nach den entscheidenden Thatsachen kurz fällt, so wird es Einer künftig eher bleiben lassen, zur Beschönigung ungerechter Thaten schöne Worte zu suchen."