Book 3
84
1 Mit diesem Unfug machte man großenteils in Kerkyra den ersten Versuch, mag man nun auf die Handlungen der Rache sehen, welche sie an ihren Regenten verübten, die in dieser Stellung mehr Stolz und Übermut als kluge Mäßigung bewiesen und den Anfang mit harten Ahndungen machten; oder auf die ungerechten Maßregeln, wozu andere die Begierde, sich aus ihrer bisherigen Dürftigkeit zu reißen, oder vielmehr die Sehnsucht nach ihres Nächsten Eigentum verleitete, oder auf die unbändige Hitze, wodurch sich diejenigen, welche nicht in der Absicht, sich zu bereichern, sondern wirklich das Recht zu handhaben, jemandem zu Leibe gingen, hinreißen ließen, höchst grausam und unerbittlich mit ihnen umzugehen. Bei dieser allgemeinen Verwirrung in der Stadt, wo die Gesetze von den natürlichen Neigungen der Menschen, die schon gewohnt sind, auch bei wirklicher Gültigkeit der Gesetze doch dagegen zu sündigen, gänzlich besiegt wurden, zeigte sich's frei, daß der 1 Kap. 84 gilt schon lange als »neckt. Ich verzichte auf einen neuen Versuch, eS in lesbares Deutsch zu übertragen, und gebe dafür im Text die Heil mannscke Überschnnq. — Lemgo nun. Mensch, so wie er von Natur beschaffen ist, nicht Meister über seine Leidenschaften sei, daß er sich nicht durch Begriffe von der Gerechtigkeit in Schranken halten lasse, und daß er keinen über sich leiden könne. Gewiß, man würde nicht die heiligsten Pflichten dem Vergnügen an der Rache, noch das Bewußtsein, niemand unrecht getan zu haben, zeitlichen Vorteilen aufopfern, wo nicht der Neid eine so schädliche Gewalt über die Menschen hätte. So aber pflegen die Menschen die allgemeinen Gesetze dieser Art, auf welche sich alle Hoffnung ihrer eigenen Rettung, wenn es ihnen mißlich geht, gründet, sobald es darauf an kommt, sich an anderen zu rächen, gänzlich aufzuheben und sich also selbst auf den Fall, daß sie etwan im Notstande der selben benötigt sein sollten, ihren Schutz entziehen.^