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Ἱστορίαι

Ἱστορίαι Thucydides

Book 3

10 „Zunächst also ein Wort zur Rechtfertigung dieses Ab- falles und über unsere Ehrlichkeit, grade weil uns es um ein Bündnis mit euch zu tun ist. Denn wir wissen, daß, wie zwischen einzelnen keine echte Freundschaft, so auch zwischen Staaten kein wirkliches Einvernehmen möglich ist, wenn sie nicht gegenseitig an ihre Ehrlichkeit glauben und nicht in jeder Beziehung gleiche Anschauungen von Pflicht und Ehre mit­ bringen. Ohne Übereinstimmung darin hat es auch mit dem Bündnis kurze Wege. Unser Bündnis mit den Athenern stammt aus der Zeit, wo ihr euch vom Perserkriege zurückzogt, während sie aushielten, um ihn vollends auszufechten. Dies Bündnis gingen wir aber nicht ein, um den Athenern zur Herrschaft über die Griechen zu verhelfen, sondern um die Griechen von der Herrschaft der Perser zu befreien. Solange sie bei ihrem Oberbefehl niemand zu nahe traten, gingen wir bereitwillig mit ihnen. Als wir aber sahen, wie ihre Feindschaft gegen die Perser nachließ und ihr Absehen immer mehr ans die Unter­ drückung der Bundesgenossen gerichtet war, wurde uns die Sache bedenklich. Die Bundesgenossen aber waren bei ihrer Vielköpfigkeit nicht unter einen Hut zu bringen, konnten sich gegen die Athener nicht wehren und wurden bis auf uns und die Chier ihre Untertanen. Wir blieben allerdings unabhängig, mußten aber unter dem Namen freier Bundesgenossen ihre Kriege mitmachen. Nach dem, was anderswo vorgekommen, konnten wir jedoch zu dem Oberbefehl der Athener kein Ver­ trauen mehr haben. Denn wie sie die anderen, welche mit uns ihre Bundesgenossen geworden waren, unterjocht hatten, so würden sie es sicher mit uns beiden bei erster Gelegenheit auch gemacht haben.

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