Book 3
11
„Wären wir alle noch unabhängig, so könnten wir schon eher darauf rechnen, daß sie uns unsere Unabhängigkeit auch ferner lassen würden. Da aber die meisten schon ihre Unter tanen sind, während sie mit uns noch auf gleichem Fuß ver kehren müssen, so ist ihnen natürlich schon den anderen gegen über, die sich ihnen gefügt haben, diese uns allein verbliebene Gleichberechtigung höchst unbequem, zumal sie inzwischen immer mächtiger geworden, wir aber mehr und mehr auf uns allein angewiesen sind. Ein Bündnis hat nur Bestand, wenn beide Teile sich gegenseitig fürchten; denn dann läßt auch der, welcher dem anderen was am Zeuge flicken möchte, ihn doch lieber in Ruhe, weil er weiß, daß er ihn nicht mit überlegener Macht angreifen kann. Uns aber haben sie unsere Unabhängigkeit nur deshalb gelassen, um den Schein zu meiden, als hätten sie ihre Herrschaft nicht durch ehrliche und einsichtige Politik, sondern durch Gewalt erworben. Zugleich dienten wir ihnen als Beweis für die Gerechtigkeit ihrer Sache, da Staaten mit gleichem Stimmrecht denn doch nicht freiwillig mit ihnen zu Felde ziehen würden, wenn der Gegner nicht im Unrecht wäre. Ebenso gingen sie zumeist mit Hilfe der Stärkeren gegen die Schwächeren vor, so daß die letzten, welche sie übergelassen, dann um so schwächer waren. Hätten sie mit uns den Anfang gemacht, als alle noch bei Kräften und noch bündnisfähige Staaten vorhanden waren, so wären sie damit so leicht nicht fertig geworden. Auch fürchteten sie sich wohl vor unserer Flotte, die mit eurer oder einer anderen zusammen ihnen hätte gefährlich werden können. Endlich ließ man uns auch deshalb in Ruhe, weil wir uns ihrer Stadt und den Männern, welche jeweilig an der Spitze standen, beständig gefällig er wiesen. Schwerlich aber hätten wir uns noch lange behaupten können, wäre nicht dieser Krieg ausgebrochen; so viel konnten wir uns nach dem, wie es den andern ergangen war, an den Fingern abzählen.