Thesauros Literature History Ἱστορίαι

Ἱστορίαι

Ἱστορίαι Thucydides

Book 4

62 „Den Athenern gegenüber also würde sich solch ein ver­ ständiger Entschluß als höchst ersprießlich erweisen. Warum sollten wir denn nicht auch unter uns selbst Frieden machen, den wir doch alle miteinander für das Beste halten? Und wenn jetzt wirklich einer im Vorteil, ein anderer im Nachteil ist, glaubt ihr etwa, daß es nicht für beide leichter sein würde, solche Nachteile und Vorteile im Frieden auszugleichen oder zu wahren als im Kriege? Daß nicht Ruhm und Ehren und andere Freuden, die ich hier so wenig weiter ausmalen will wie die Leiden des Krieges, im Frieden mit geringerer Gefahr zu haben wären? Schlagt darum meine Worte nicht in den Wind, sondern bedenkt, daß ich nur zu eurer aller Bestem rede. Auch wer bei einer Unternehmung im Vertrauen auf die Ge­ rechtigkeit seiner Sache oder auf seine Macht des Erfolgs sicher zu sein glaubt, hüte sich, daß er nicht unversehens zu Schaden kommt. Ist doch schon mancher, der sich für eine Beleidigung rächen wollte oder auf Eroberungen ausging, nicht nur mit seiner Rache nicht zum Zweck gelangt, sondern darüber selbst zugrunde gegangen oder, statt Eroberungen zu machen, auch noch um das Seinige gekommen. Denn die Rache verhilft dem Beleidigten nicht schon darum zu seinem Recht, weil ihm Unrecht geschehen ist, und die Macht ist ihres Erfolgs nicht schon deshalb sicher, weil sie darauf hoffen darf. Vielmehr kann man nie mit Sicherheit darauf rechnen, was die Zukunft bringen wird. Augenscheinlich aber hat diese völlige Ungewiß­ heit auch ihr Gutes; denn weil keiner weiß, was ihm bevor- steht, sind wir um so vorsichtiger, Krieg miteinander anzu­ fangen.

nav.navigate

nav.identity

common.settings

common.language
TR EN
common.theme