Book 5
10
Nach diesen Worten schickte sich Brasidas selbst zum Ausfall an und stellte auch die Andern unter Klearidas beim sogenannten Thrakischen Thore auf, damit sie ipäter, wie ausgemacht worden war. herausbrechen sollten. Da nun sein Abzug von Kerdylion ganz offen geschehen war, und man sah, wie er in der Stadt, die von Außen her eingesehen werden konnte, beim Tempel der Athene opferte nnd 422 v. Chr. jene Anstalten traf, so wurde dem Kleon, der damals gerade auf Umschau sich genähert hatte, die Meldung gemacht, daß in der Stadt das ganze feindliche Heer auf den Beinen zu sehen sei, und daß man unter dem Thore durch die Fuße vieler Pferde und Menschen erblicken könne, als ob ein Ausfall geschehen solle. Auf diese Meldung ging jener näher hinzu, und da er sich mit eigenen Augen überzeugt hatte, aber doch keine entscheidende Schlacht liefern wollte, bevor nicht der Zuzug gekommen sei, und auch glaubte noch Zeit genug zum Rückzug zu haben, so befahl er den Abmarsch und hieß seine Leute, die Richtung auf den linken Flügel zu nehmen, wie es auch allein ausführbar war, und sich gegen Ei'on zurückzuziehen. Da ihm dieß aber zu langsam zu geheu schien, so ließ er selbst den rechten Flügel schwenfen, wodurch er dem Feinde die ungedeckte Flanke bot, und führte so das Heer zurück. In diesem Augenblick, als Brasidas die dargebotene Gelegenheit sah, und wie das Heer der Athener sich bewegte, sagte er zu seiner Mannschaft und den Andern: „Diese Leute werden uns nicht Stand halten, das kann man an der Bewegung der Lanzen und der Köpfe sehen; denn wo einmal das vorkommt, da pflegt ein Angriff keinen Widerstand zu finden; also öffne mir Einer das bestimmte Thor, und dann laßt uns rasch und muthig über sie herfallen!"