Book 5
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Um dieselbe Zeit in jenem Sommer endete die Belagerung Skione's mit Eroberung der Stadt, und die Athener ließen die Erwahcsenen männlichen Geschlechts hinrichten, Weiber und Kinder aber verkauften sie als Sklaven und des Land überließen sie zur Benützung den Platäern. Die Delier führten sie wieder nach Delos zurück, weil sie sich ihre Niederlagen zu Gemüthe führten, und auch weil der 30) In Argos regierte früher ein Rath von achtzig Männern, an deren Spitze die sogenannten Artynen standen. Nach der Niederlage bei TirynS, welche ihnen 52i der Spartaner KleomeneS beibrachte, fielen abhängige Städte wie Kleonä. Orneä, Midra ab, und in der Hauptstadt selbst gewannen die Gymnesioi, Hörige oder Sklaven, die Oberhand, da die Mehrzahl der Bürger gefallen war. Erst das herangewachsene Geschlecht der Nachkömmlinge der von KleomeneS Getödteten trieb die Gymnesioi aus und bezwang sie dann in Tiryns. wohin sie sich gezogen hatten. Da aber die Bürgerzahl zu gering war, so wurden die abgefallenen Orte einzeln angegriffen und die Besiegten nach Argos verpflanzt, wo sie gleiches Bürgerrecht mit den Altburgern erhielten. Durch diese Einbürgerung der Perivken gewann das demokratische Element die Ueberhand, und neben den Rath der Achtzig trat noch ein weiterer Rath, Bau, .etwa Bürgerrepräsentanten, eine Art kontrolirendes Collegium." (Wachsmuth.) 421 v. Chr. Gott in Delphi es befohlen hatte ^Damals begann auch der Krieg zwischen Phokiern und Lokrern.— Die Korinther und Argiver, die sich bereits verbündet hatten, gingen jetzt auch nach Tegea um diese Stadt den Lakedämoniern abwendig zu machen. Sie sahen nämlich, daß das Gebiet ein beträchtliches Stück Landes war, und wenn dasselbe auf ihrer Seite stünde, dachten sie, so würde der ganze Peloponnes ihnen gehören. Als aber die Tegeaten zur Antwort gaben, daß sie nichts Feindliches gegen die Lakedämonier unternehmen 31) In dieser Aufforderung des Orakels, eine mit Härte ausgetriebene hellenische Bevölkerung ihrer Heimath wiederzugeben, könnte man ein Beispiel sehen, wie dasselbe seinen Einfluß im Sinne der Menschlichkeit und der nationalen Wohlfahrt benutzte. Doch gehen in der Beurtheilung der Wirksamkeit dieser heiligen Institute die Meinungen sehr weit auseinander. K. F. Hermann: «Wenn ja von absichtlichen Tänschungen die Rede fein kann, so trifft dieß jedenfalls nur die Mittelspersonen und Priester, die aber auch dafür andererseits durch die große Weisheit entschädigten, mit welcher sie wenigstens in Griechenlands klassischer Zeit die Auktontät ihres Gottes zu staatskluger und konsequenter Leitung der öffentlichen und gottesdienstlicheu Angelegenheiten des ganzen Volks benutzten. Namentlich gilt dieß von dem pythischen Orakel zu Delphi.' Ganz anders Wachsmuth: „Den hellenischen Völkern erschien die Gemeinschastlichkeit des Orakels durchaus nicht als etwas, das auf Eintracht zurückwirken müsse; in ihren Anfragen drückt sich selten Anderes als Egoismus aus; es war. wie wenn von einem Gemeindeacker Freund und Feind zusammen Frucht holen und dabei streben, einander möglichst zu übcrvortheilen. Die Aussprüche des Orakels waren durch Unklarheit des Ausdrucks und verfängliche Geschrobenheit eben sowohl geeignet, allerlei unredliches Dichten und Trachten entweder in dem Sinne des Fragenden zu nähren, oder bei der Ausführung zu rechtfertigen, als untauglich, sichere Leitung des Handelns für Einzelne und für Staaten zu sein. Noch weniger aber konnte und wollte das Orakel einen zusammenhängenden Einfluß auf die Angelegenheiten der hellenischen Staaten für sich und unter einander üben. — Dem Orakel zu Olympia gereicht es zum Lobe, daß es über Kriege der Hellenen mit Hellenen keinen Spruch that; das delphische Orakel dagegen bewies nicht nur immersort dazu sich willfährig, sondern zugleich durch die trügerische Hülle zweideutiger Worte, daß es nur ans seinen Vortheil bedacht sei. auf seine Sicherstellung bei jeglichem Erfolg; oder es verrieth sichtbar einseitige Gunst, und — schmählich genug — diese konnte auch durch Gold gewonnen werden.' — Die Wahrheit liegt in der Mitte; es kann doch nur immer aus die betreffenden Personen angekommen sein. — Was diesen Fall betrifft, so ist wohl gewiß, daß die Athener die Delier wegen Hinneigung zu Sparta ausgetrieben hatten. Welche Pläne Perikles mit Delos harte, ist schon gesagt (Buch III. Anm. SO). Es ist also glaublich, daß die Spartaner einen Spruch zu Gunsten der Delier erwirkten. Daß die Spartaner selbst das Orakel für bestechlich hielten, zeigt weiter oben die Geschichte des Pleistoanar, V, 16. 32) Vergl. IV, 134. Anm. würden, so ließen die Korinther, die bis jetzt mit Leidenschaft in 421 v. Chr. diesem Sinne gearbeitet hatten, von ihrer Großmachtsucht in etwas > nach und besorgten, es möchte von den Andern jetzt Niemand mehr zu ihnen treten. Gleichwohl gingen sie noch zu den Böotern und baten sie, ihre und der Argiver Bundesgenossen zu werden und auch sonst mit ihnen gemeinsame Sache zu machen. Ferner verlangten sie, die Böoter sollten mit ihnen nach Athen gehen und ihnen einen eben solchen zehntägigen Waffenstillstand auswirken, wie er zwischen Athenern und Böotern nicht lange nach dem fünfzigjährigen Friedensvertrage war abgeschlossen worden; wenn aber die Athener darauf nicht eingingen, so sollten sie diesen Waffenstillstand aufkündigen und dann künftig ohne sie keinen neuen Vertrag schließen. In Betreff des Bündnisses mit den Argivern nun gaben die Böoter auf das Ansuchen der Korinther zur Antwort, man solle ihnen noch etwas Zeit lassen. Nach Athen geleiteten sie die Korinther, konnten aber den zehntägigen Waffenstillstand für sie nicht erwirken, sondern die Athener gaben zur Antwort, es bestehe ja schon ein Bündniß zwischen ihnen und den Korinthern, sofern diese Bundesgenossen der Lakedämonier seien. Die Böoter aber kündeten deßhalb ihren zehntägigen Stillstandsvertrag nicht auf, so viel auch die Korinther baten und ihnen Vorwürfe machten, daß sie doch so übereingekommen seien; zwischen Korinthern und Athenern herrschte aber doch Waffenruhe, auch ohne besonderen Vertrag.