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Ἱστορίαι

Ἱστορίαι Thucydides

Book 5

90 Melier: „Nach unserer Ansicht - und wir müssen das aussprechen, da ihr von Recht nichts hören wollt und uns auf die Nützlichkeit verweist - hat eS aber doch auch seinen Nutzen, nicht gegen den für alle wertvollen Grundsatz zu ver, stoßen, daß man jedem in Gefahr Befindlichen Billigkeit für Recht ergehen lassen und eS mit seinen Gründen nicht allzu genau nehmen soll. Und das gilt für euch so gut wie für andere; denn solltet ihr auch einmal besiegt werden, so würde man sich eure Härte zum Beispiel nehmen und gegen euch ebenso verfahren."
91 Athener: „Sollte es mit unserer Herrschaft auch zu Ende gehen, so machen wir uns darüber, was weiter aus uns werden wird, keine Sorge. Denn von einer Macht, die selbst über andere herrscht, wie die Lakedämonier, — mit denen wir es übrigens hier nicht zu tun haben, - hat der Besiegte nicht allzuviel zu fürchten; weit gefährlicher ist es, wenn die eigenen Untertanen sich gegen ihre Herren auflehnen und sie besiegen. In dieser Hinsicht laßt uns unsere Haut nur selbst zu Markte tragen. Vernehntt also, daß wir hier sind, um euch unserer Herrschaft zu unterwerfen, und mit euch darüber zu reden gedenken, wie sich das mit dem Wohl eures Landes am besten vereinigen läßt; denn wir wollen euch damit nicht bedrücken, wünschen vielmehr, daß ihr dabei zu unser beider Vorteil gut fahren werdet."
92 Melier: „Wie könnte wohl die Knechtschaft für uns so vorteilhaft sein wie für euch die Herrschaft?"
93 Athener: „Weil es für euch immer noch vorteilhafter sein würde, unsere Untertanen zu werden, als über die Klinge springen zu müssen, für uns aber ein Gewinn, wenn wir euch ' nicht zu vernichten brauchten."
94 Melier: „Darauf also, daß wir neutral blieben, uns nicht feindlich, vielmehr freundlich zu euch stellten, aber keinem der beiden Bündnisse beiträten, würdet ihr nicht eingehen?"

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