Book 5
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„Peloponnesier! Aus was für einem Lande wir kommen, daß dies Land von jeher die Freiheit seiner Tapferkeit ver dankt, und daß ihr Dorier jetzt gegen Jonier kämpfen sollt, die ihr zu besiegen gewohnt seid, brauche ich nur eben anzu deuten. Aufklären aber will ich euch darüber, wie ich den Angriff zu machen beabsichtige, damit ihr mir nicht meint, wir wären zu schwach, weil wir nur zu wenigen und nicht gleich alle ins Gefecht gehen, und deshalb den Mut sinken laßt. Unsere Gegner, die sich vermutlich nur, weil sie uns verachten und gar nicht darauf rechnen, daß man eS im freien Felde mit ihnen aufnehmen würde, bis hierher verstiegen haben, halten keine Ordnung und haben auch jetzt nichts Besseres zu tun, als sich die Gegend zu besehen. Wenn man auf solche Fehler des Gegners gut acht gibt und dann auch seinen An griff mit Rücksicht auf die eignen Kräfte einrichtet, nicht gleich seine ganze Macht einsetzt, sondern die Umstände geschickt zu benutzen weiß, hat man die beste Aussicht, ihn zu besiegen. Und je besser man versteht, die Feinde durch List zu täuschen und den Seinigen dadurch Vorteile zu vershcaffen, um so größer der Ruhm. Darum will ich, solange sie noch arglos und unvorbereitet sind und, wie es mir vorkommt, überhaupt nicht standhalten, sondern wieder abziehen wollen, bevor sie zur Be sinnung kommen und ihren Schlachtplan machen, mit meinen Leuten hier über sie herfallen und im Sturmschritt womöglich mitten in ihr Heer dringen, und du, Klearidas, mußt dann, sobald du siehst, daß ich ihnen auf der Kappe bin und sie gehörig in Schreck gesetzt habe, plötzlich das Tor öffnen lassen und mit deinen Leuten und den Mannschaften aus Amphi polis und den anderen Bundesstädten vorbrechen und so schnell wie möglich handgemein mit ihnen zu werden suchen. Denn so haben wir die beste Hoffnung, sie in die Flucht zu schlagen. Denn ein unerwarteter zweiter Angriff ist für den Feind schrecklicher als ein Kampf, in dem er sich dem Gegner von vornherein Mann gegen Mann gegenübersieht. Du selbst hatte dich brav, wie es einem Spartaner ziemt, und ihr, wackere Bundesgenossen, folgt eurem Führer mutig nach und glaubt nur, daß williger und pünktlicher Gehorsam gegen die Vorgesetzten die erste Bedingung glücklichen Erfolgs im Kriege ist. Bedenkt auch, daß es sich heute entscheiden wird, ob ihr dank eurer Tapferkeit hinfort frei sein und Bundesgenossen der Lakedämonier heißen, oder den Athenern gehorchen sollt und, wenn es dann auch ohne Sklaverei und Hinrichtungen abgeht, jedenfalls einer drückenderen Knechtschaft als bisher verfallen und die Befreiung der übrigen Griechen verhindern werdet. Also nur Mut, und denkt daran, was heute auf dem Spiel steht. Ich aber werde euch zeigen, daß ich nicht nur anderen Mut predigen, sondern auch selbst mutig meinen Mann stehen kann."