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Ἱστορίαι

Ἱστορίαι Thucydides

Book 6

31 In diesem Augenblick, wo sie angesichts der bevorstehenden Gefahren Abschied nahmen, trat ihnen der furchtbare Ernst der Sache weit lebhafter vor die Seele als damals, wo sie für den Zug stimmten. Aber beim Anblick der sich hier vor ihren Augen entfaltenden gewaltigen Rüstung faßten sie dann doch wieder guten Mut. Die Fremden und die Massen waren mit hinausgezogen, um sich das großartige Schauspiel des Auszugs zu einer so außerordentlichen Unternehmung anzu­ sehen. Denn eine so kostspielige und prächtige Flotte war bis dahin noch nie von einer einzigen griechischen Stadt ausgerüstet und in See geschickt. Allerdings war die Flotte, mit welcher Perikles nach Epidauros und nachher Hagnon nach Potidäa ging, an Zahl der Schiffe und Hopliten ebenso groß; denn damals hatten viertausend Hopliten, dreihundert Reiter und hundert Trieren aus Athen selbst, fünfzig Trieren aus Lesbos und Chios und außerdem zahlreiche Bundesgenossen die Fahrt mitgemacht. Damals aber hatte es sich nur um kürzere Fahrten gehandelt, und die Ausrüstung war dürftig gewesen. Diesmal aber galt es eine Unternehmung auf längere Zeit, bei der man sich für alle Fälle sowohl mit Schiffen wie mit Landtruppen versehen hatte. Die Flotte war mit großen Kosten, teils durch die Trierarchen, teils von Staats wegen aus­ gerüstet. Der Staat zahlte der Mannschaft an Bord täglich je eine Drachme und stellte die leeren Schiffe, sechzig Kriegs­ schiffe und vierzig Transportschiffe für die Truppen, nebst den eigentlichen Seeleuten, die Trierarchen aber gaben den Ruderknechten der obersten Bank und den Seeleuten Zulagen zu ihrem Solde aus der Staatskasse und statteten ihre Schiffe auch sonst noch durch kostbare Abzeichen und Einrichtungen aus, wobei einer den anderen zu überbieten suchte, damit sein Schiff sich durch Schönheit und Schnelligkeit hervortäte. Das Landheer aber bestand aus ausgesuchten Leuten, die es durch Bewaffnung und schmucke Erscheinung einander zuvor­ zutun suchten. So kam es, daß die Sache nicht nur unter ihnen selbst zugleich zu einem Wettstreit wurde, indem jeder seines Orts Ehre einlegen wollte, sondern auch nach außen den Eindruck machte, als handle es sich nicht sowohl um einen Feldzug in Feindes Land als darum, den Griechen die Macht und den Reichtum Athens vor Augen zu führen. Wollte man berechnen, was der Staat und die einzelnen Teilnehmer des ZugeS dafür aufgewandt, - der Staat, was er schon aus­ gelegt und den Feldherren mitgegeben, die einzelnen, was sie für ihre Person, die Trierarchen für ihre Schiffe schon aus­ gegeben hatten oder noch weiter ausgeben wollten, außerdem was natürlich jeder zu eigenem Bedarf für einen längeren Feldzug außer seinem staatlichen Solde als Reisegeld mit­ nahm, auch was mancher Soldat oder mitreisende Handels­ mann zum Umsatz bei sich führte, - so würde man ifnden, daß es alles in allem viele, viele Talente waren, die damals auS der Stadt hinauswanderten. Auch wurde dieser Auszug durch das Staunenswerte des Unterfangens und das pracht- volle Schauspiel, daS er bot, nicht minder berühmt wie durch die Überlegenheit der Heeresmacht über den Feind, gegen den es ging; war doch noch niemals eine Fahrt in weite Ferne mit einer tsolzeren Flotte und mit größeren Hoffnungen auf neue Erweiterung der athenischen Macht unternommen worden.

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