Book 6
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„Aber ich weiß wohl, daß die Athener recht gut.selber einsehen, was ich da sage, und das Ihrige zu erhalten suchen werden, und diese Leute aus unserer Mitte erfinden da Dinge, die weder wirklich sind, noch auch sein können, und ich weiß, daß sie nicht heute zum ersten Mal, sondern von jeher, mit ähnlichen und noch gefährlicheren Lügen, ja auch mit Thaten, die große Menge unter euch in Verwirrung setzen wollen, um die Zügel der Herrschast über unsere Stadt selber zu ergreifen. Ich fürchte nur, daß es ihnen bei.so vielfachen Versuchen endlich auch einmal gelingen werde. Wir aber sind Feiglinge, wenn wir uns nicht sicher vor ihnen stellen, bevor wir^noch in's Unglück gerathen sind, und ihnen nicht sogleich zu Leibe gehen, wenn wir hinter ihre Schliche kommen. Denn das sind ja die Ursachen/ weßhalb unsere Stadt so selten zur Ruhe kommt und. so viel Aufruhr und Kampf durchzumachen hat, nicht gegen die Feinde, sondern mehr in sich selber, und selbst schon Tyrannis und ungerechte Gewaltherrschaft Weniger. Ich meines Theils, sofern ihr mir folgen wollt, werde schon dafür sorgen, daß in unseren Tagen Nichts dergleichen unversehens über euch komme, indem ich euch, die ihr das Volk seid, belehre, und jene, die dergleichen im Schilde führen, züchtige, nicht nur, wenn sie aus offener That ertappt werden, denn es. ist schwer, ihnen beizukommen, sondern auch für das, was sie gern möchten, aber nicht können. Denn seinen Feinden gegenüber muß man sich nicht nur vor ihren Thaten, sondern auch vor ihren Plänen im Voraus schützen. Wer sich nicht zuerst schützt; heißt es, der muß zuerst leiden. Die aber nach Adelsherrschast trachten, denen werde ich ihre Pläne offen aufdecken und ein wachsames Auge auf sie haben, oder sie zum Besseren bekehren; denn so glaube ich sie am besten von Uebelthaten abzuhaltend Und in der That — denn oft habe ich darüber meine Gedanken gehabt — was wollt ihr denn eigentlich, ihr jungen Leute (Adelige)? Etwa schon Aemter und Würden? Das ist ja vom Gesetz nicht erlaubt, und das Gesetz ist mehr deßhalb. ThukydideS. VI. 8 415 v. Chr. gegeben worden, weil es euch für unfähig dazu hält, als weites euch trotz wirklicher Befähigung zurücksetzen wollte. Und warum wollt ihr denn nicht dasselbe Recht für euch, wie für das Volk? Wo bliebe denn'die Gerechtigkeit, wenn Bürger desselben Staates nicht dieselben Rechte hätten?" nsz