Book 6
68
„Was brauche ich euch lange Mut einzusprechen, Leute; kämpfen wir doch alle für dieselbe Sache! Der treffliche Zustand unserer Truppen, mein' ich, ist an sich mehr geeignet Mut zu machen als wohlgesetzte Reden vor einem schwachen Heere. Wo wir hier, Argeier, Athener und die ersten Insel- völker, beisammen sind, wie sollte da nicht unter so viel tapferen Waffenbrüdern jeder einzelne mit voller Zuversicht aus den Sieg hoffen, zumal wir es mit bloßen Bürgerwehren zu tun haben und nicht mit alten Soldaten wie wir, und noch dazu mit diesen Sikelioten, die uns zwar verachten, aber uns nicht standhalten werden, weil wir uns besser auf den Krieg verstehen als sie. Bedenkt auch, daß wir fern von unserer Heimat sind und hier kein Freundesland finden werden, das wir nicht erst mit dem Schwerte gewinnen müßten. Und wenn die Feinde sich, wie ich wohl weiß, damit anfeuern, daß eS den Kampf fürs Vaterland gilt, so habe ich euch grade umgekehrt daran zu erinnern, daß ihr nicht im Vater lande kämpft, sondern in einem fremden Lande, wo ihr siegen müßt oder auf dem Rückzüge einen schweren Stand haben werdet; denn ihre zahlreiche Reiterei wird uns auf den Fersen sein. Macht also eurem alten Ruhm auch heute Ehre und greift eure Gegner nur herzhaft an, überzeugt, daß Not und Entbehrungen, womit ihr jetzt zu kämpfen habt, schlimmer sind als die Feinde."