Book 6
61
Gegen den Alkibiades nun war das Volk, auf Betreiben seiner.Feinde, die auch schon vor der Abfahrt gegen ihn gewirkt hatten, sehr übel gestimmt, und da sie in Betreff des Hermenfrevels die Wahrheit zu wissen glaubten, so waren.sie. wegen der Mysterien, deren,Verhöhnung jener angeschuldigt.war, um so mehr überzeugt, daß.diese aus denselben geheimen Absichten und ebenfalls unter einer Verschwörung gegen die Volksherrschast von jenen ausgeführt worden sei. Zufällig war nämlich auch um dieselbe Zeit ein kleines Heer der Lakedämonier während dieser Wirren in Athen bis zum Jsthmos 415 v. Chr. vorgerückt, um im Einvernehmen mit den Böotiern irgend etwas zu unternehmen. Man glaubte nun, dieselben seien auf Betreiben des Alkibiades und nach einer Verabredung mit ihm, keineswegs aber der Bootier wegen, gekommen, und wenn sie nicht in Folge jenes Geständnisses noch grade rechtzeitig sich der Schuldigen versichert hätten, so wäre die Stadt wohl verrathen worden. Eine Nacht hatten sie auch im TheseuStempel in der Stadt unter Waffen geschlafen. Um dieselbe Zeit kamen auch die Gatsfreunde des AlkibiadeS zu Argos in den Verdacht, etwas gegen die Volksherrschaft im Schilde zu führen, und die Athener lieferten die Geißeln von Argos 65), die auf den Inseln lagen, damals dem Argivischen Volk aus, um sie dafür hinzurichten. Von allen Seiten also mehrte sich der Verdacht gegen den Alkibiades, demnah cwollten sie ihn vor Gericht stellen und hinrichten, und schickten deßhalb das Schiff Salaminia nach Sieilien, um ihn und die mit ihm Angeklagten nach Athen zu bringen. Es war der Auftrag, ihm nur zu sagen, daß er zu seiner Vertheidigung mitgehen solle; gefangen setzen dürften sie ihn nicht. Man mußte nämlich aus die eigenen Truppen in Sieilien Rücksicht nehmen und durste auch bei den Feinden kein Aussehen erregen; vor allen Dingen aber wünschte man, die Mantineer und Argiver, welche man durch jenen zur Theilnahme am Feldzug bewogen glaubte, bei der Armee zu erhalten. So ging also Alkibiades und die mit ihm Angeschuldigten auf seinem eigenen Schiffe von Sieilien mit der Salaminia ab, als wolle er wirklich nach Athen. In Thurii angekommen, gingen sie aber nicht weiter mit, sondern verließen das Schiff und versteckten sich, weil sie sich fürchteten, so schwer verklagt und verläumdet sich vor Gericht zu stellen. Die von der Salaminia nun suchten zwar eine Zeitlang nach dem Alkibiades und seinen Genossen, da diese aber wie verschwunden waren, so gingen sie wieder unter Segel nach der Heimat. Alkibiades aber, der nun schon so gut wie ein Verbannter war, fuhr nicht lange danach auf einem Kauffahrer von Thurii nach dem Peloponnes hinüber, und die Athener verurtheilten ihn und seine Genossen-'als gesetzwidrig Abwesende zum Tode. 65) Vergl. V, 84.