Book 6
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„Zunächst sehe ich mich genötigt, über d'ie Vorwürfe, die man mir macht, ein Wort zu sagen, damit ihr meine Rede in dieser gemeinsamen Angelegenheit nicht aus Mißtrauen gegen mich ungünstig aufnehmt. Nachdem meine Voreltern aus irgendeinem Grunde die alte Staatsgastfreundschaft mit euch aufgegeben hatten, habe ich sie aus freien Stücken von neuem übernommen und euch wiederholt, namentlich auch nach dem Unfall von Polos, Freundesdienste geleistet. Trotz meiner euch jederzeit bewiesenen Freundschaft aber habt ihr dann doch beim Friedensschluß mit den Athenern die Verhandlungen durch meine Gegner geführt und ihnen dadurch zur Macht verholfen, mir dagegen Zurücksetzung zugezogen. Wenn ich infolgedessen für die Mantineer und die Argeier eingetreten oder auch etwa sonst mal euer Gegner gewesen bin und ihr den Schaden da von gehabt habt, so dürft ihr euch darüber nicht beklagen. Und wenn man mir das auch damals hier in eurer schlimmen Lage schwer verdacht hat, so sollte man darüber doch jetzt ge rechter urteilen und es mir nicht weiter nachtragen. Sollte man etwa darum schlechter von mir denken, weil ich mich zur Volkspartei gehalten, so braucht man sich auch in dieser Be ziehung keine Sorge zu machen. Denn wir sAlkmäoniden! sind von jeher Gegner der Tyrannen gewesen; unter dem Namen Volk aber begreift man eben alles, was der Herrschaft eines einzelnen widerstrebt, und so haben wir auch seit jener Zeit immer an der Spitze der Volkspartei gestanden. Mit der fort schreitenden Demokratisierung der Stadt sahen wir uns frei lich vielfach genötigt, uns in die Zeit zu schicken, haben aber doch im Gegensatz zu der eingerissenen Zügellosigkeit eine maß volle Politik einzuhalten gesucht. Aber da waren andere Leute, früher und jetzt, die den Pöbel zu Schlechtigkeiten verführten, und die waren es auch, die mich aus Athen verdrängt haben. Wir dagegen trieben die Geschäfte mit Rücksicht auf daS Ganze, wünschten aber Änderungen der bestehenden Verfassung, bei der die Stadt zu größter Macht und Freiheit gelangt war, und der einmal hergebrachten Rechte eines jeden möglichst zu verhüten. Denn kein verständiger Mensch wird die Vorzüge einer demokratischen Verfassung verkennen, und niemand weniger als ich, soviel Ursache ich auch habe, darauf zu schelten. Doch wozu über Unverstand, den jeder einsieht, noch weiter Worte machen. Und die Verfassung zu ändern, während ihr unS als Feinde vor den Toren standet, hielten wir für bedenklich.