Book 7
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Und nun gerieten die Athener in Verwirrung und bereits in eine sehr bedenkliche Lage. Ich habe mich vergeblich be müht, von der einen oder der anderen Seite Auskunft darüber zu erhalten, wie es dabei im einzelnen zugegangen. Denn selbst am Tage, wo man deutlicher sieht, weiß der einzelne, der eine Schlacht mitmacht, davon kaum mehr als er selbst erlebt. Wie hätte man sich also von dieser nächtlichen Schlacht, der einzigen eben, zu der es in diesem Kriege zwischen größeren Heeren kam, ein deutliches Bild machen können? Es war zwar Heller Mondschein, und man konnte einander sehen, wie man eben bei Mondlicht Gestatten sich gegenüber sieht, aber Freund und Feind nicht unterscheiden. Auf beiden Seiten ver liefen sich eine Menge Leute im Gedränge. Die Athener waren zum Teil schon besiegt, während andere im ersten Angriff noch siegreich vordrangen. Ein großer Teil ihres übrigen Heeres war entweder eben erst oben angekommen oder noch im Begriff, die Höhe zu ersteigen, und man wußte nicht, wohin man sich wenden sollte. Denn vorn war, seit der Rückzug begonnen, schon alles in Verwirrung, und bei dem Geschrei war es schwer, etwas zu untershceiden. Die siegreichen Syrakuser und ihre Verbündeten feuerten sich nämlich durch lautes Schreien an, da es bei Nacht unmöglich war, sich auf andere Weise ver nehmlich zu machen, und wußten sich dabei zugleich der An griffe der Athener zu erwehren. Die nachkommenden Athener aber suchten ihre Landsleute und hielten alles, was ihnen ent gegenkam, auch wenn es zu ihren zurückströmenden Freunden gehörte, für Feinde. Und bei dem ewigen Fragen nach der Losung, woran sie sich allein erkennen konnten, gab es nicht nur bei ihnen einen Höllenlärm, weil sie alle zugleich fragten, sondern sie wurde auch den Feinden bekannt. Sie aber wußten deren Losung nicht, da diese als Sieger geschlossen vorgingen und sich leichter erkennen konnten. Wenn sie also bei einem Zusammenstoß mit einem feindlichen Truppenteil die Oberhand hatten, kamen die Gegner davon, weil sie die Losung kannten; sie dagegen wurden niedergemacht, wenn sie keine Antwort gaben. Besonders gefährlich wurde ihnen der Paian. Denn da er auf beiden Seiten annähernd derselbe war, wußten sie nie, wie sie dran waren. Wenn die Argeier, die Kerkyräer oder andere Dorier im Heere der Athener ihn anstimmten, so setzten sie die Athener dadurch ebenso in Schrecken, wie wenn es die Feinde taten. Schließlich, nachdem die Verwirrung einmal eingerissen, stießen selbst Abteilungen ihres eigenen Heeres, Freund mit Freund, Bürger mit Bürger, zusammen und gerieten dadurch nicht nur in Schrecken, sondern auch ins Handgemenge, so daß sie nur mit Mühe wieder auseinander kamen. Da sie von Epipolai nur auf einem schmalen Pfade wieder Hinunterkommen konnten, stürzten sich viele, um den Verfolgern zu entgehen, selbst von den Abhängen und kamen dabei ums Leben. Die übrigen aber, welche glücklich in die Ebene hinuntergelangt waren, flüchteten sich ins Lager, so namentlich die mit der Artlichkeit schon besser bekannten alten Soldaten, während die erst neu angekommenen vielfach den rechten Weg verfehlten und sich in der Umgegend verliefen. Die aber wurden, als es Tag geworden, von der umherschwärmenden syrakusischen Reiterei niedergemacht.