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Ἱστορίαι

Ἱστορίαι Thucydides

Book 7

48 So sah Demotshenes die Sache an. Auch Nikias ver­ kannte keineswegs, wie bedenklich die Lage der Athener war, wünschte aber nicht, daß von ihrer Schwäche die Rede wäre und ihre Absicht, aus Sizilien abzuziehen, durch einen öffent­ lich in größerem Kreise gefaßten Beschluß zur Kenntnis der Feinde gelangte; denn dann würden sie ihrerseits, wenn sie wirklich abziehen wollten, ihre Absicht schwerlich unbemerkt ausführen können. Außerdem hatte er, da ihm die Verhältnisse der Feinde besser bekannt waren als den anderen, immer noch einige Hoffnung, daß diese bei längerer Fortsetzung der Be­ lagerung in eine schlimmere Lage geraten könnten als die Athener selbst; denn sie würden, weil ihnen das Geld aus­ ginge, schließlich doch mürbe werden, zumal die Athener mit den Schiffen, die sie zur Stelle hatten, jetzt die See beherrshcten. Auch gab es in Syrakus selbst noch manche, welche die Stadt ihnen in die Hände spielen wollten, zu dem Ende mit ihm unterhandelten und ihn zum Bleiben aufforderten. Infolge­ dessen war er in der Tat noch zu keinem festen Entschlüsse gelangt und suchte die Sache hinzuhalten; öffentlich aber sprach er sich damals noch dahin aus, daß er mit dem Heere nicht abziehen werde; denn so viel wußte er, daß die Athener es nicht verzeihen würden, wenn man aus Sizilien abzöge, ohne daß sie es selbst beschlossen. Auch würden ja in Athen nicht Leute über sie zu Gericht sitzen, denen wie ihnen die Dinge aus eigener Anschauung und nicht erst durch abfällige Urteile dritter bekannt geworden; vielmehr werde man sich dort ein­ fach an die gehässige Darstellung irgendeines gewandten Redners hatten. Selbst von den Soldaten, die hier jetzt so laut über die schreckliche Lage klagten, würden viele, ja die meisten, wenn sie wieder nach Hause kämen, ganz anders sprechen und über Verrat der Feldherren schreien, die nur deshalb aus Sizilien abgezogen seien, weil sie bestochen gewesen. Er kenne die Athener zur Genüge, und ehe er sich von ihnen auf Grund einer nichtswürdigen Anklage zu Unrecht verurteilen lasse, wolle er lieber durch Feindes Hand fallen und es für seine Person nötigenfalls darauf ankommen lassen. Bei alledem ständen die Sachen bei den Syrakusern immer noch schlechter als bei ihnen. Sie hätten für ihr Söldnerheer und die festen Plätze außerhalb der Stadt viel Geld ausgegeben und schon ein Jahr lang eine große Flotte unterhalten, so daß sie jetzt bereits Mangel litten, der sich demnächst noch fühlbarer machen werde. Zweitausend Talente hätten sie schon ausgegeben und außerdem viel Schulden machen müssen, und wenn sie ihren Zuschnitt durch Kürzung des Soldes für die Truppen auch nur im geringsten einschränkten, so würden sie den Krieg nicht durchhalten können, da sie ihn vorzugsweise mit Geworbenen und nicht wie die Athener mit ausgehobener wehrpflichtiger Mannschaft führten. Also müßte man bleiben, um die Be­ lagerung fortzusetzen, und nicht vor Feinden, denen man an Mitteln überlegen sei, das Feld räumen.

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