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Ἱστορίαι Thucydides

Book 7

71 Während die Schlacht unentschieden hin und her schwankte, verfolgte das Landheer beiderseits deren Verlauf in ängstlicher Spannung. Die Einheimischen wetteten, die Sache würde sich für sie immer noch günstiger gestalten, die Athener und ihre Verbündeten fürchteten, daß ihre Lage noch schlimmer werden möchte als bisher. Da für die Athener alle Hoffnung auf der Flotte beruhte, waren sie in unbeschreiblicher Angst, was werden würde, und bei dem ungleichmäßigen Verlauf der Schlacht waren ihre Blicke unwillkürlich vom Lande auS auf sie gerichtet. Das Gesichtsfeld der einzelnen aber war be­ schränkt, und da sie nicht alle zugleich dieselbe Stelle vor Augen hatten , faßten die, welche die Ihrigen irgendwo im Vorteil sahen, neuen Mut und flehten die Götter an, ihnen auch weiter durchzuhelfen; die aber, welche grade sahen, daß sie an anderer Stelle unterlagen, brachen in laute Wehklagen aus und wurden durch den bloßen Anblick des Kampfes mehr entmutigt als die Kämpfer selbst. Noch andere, deren Blicke dahin gerichtet waren, wo sich beide Teile die Wage hielten, waren, da man im Schlachtgetümmel nichts untershceiden konnte, erst recht schlimm dran und gaben in der Angst ihren Gefühlen durch entsprechende Gebärden Ausdruck. Denn Sieg und Niederlage hing beständig an einem Haar, und so konnte man im Heere der Athener, solange die Schlacht noch unentshcieden war, zu gleicher Zeit alles hören, Jubel und Wehklage, Sieger und Besiegte, und alle die mancherlei Laute, wie man sie in einem großen Heere, welches um sein Dasein kämpft, notwendig immer vernehmen wird. Nicht viel anders wie denen am Lande ging es denen auf der Flotte, bis dann die Syrakuser und ihre Verbündeten die Athener nach langem Kampfe endlich zum Weichen brachten, einen glänzenden Sieg erfochten und sie unter lautem Zuruf und Geschrei an den Strand verfolgten. Nun stürzten die Leute von den Schiffen, soweit sie nicht schon auf der See den Gegnern in die Hände gefallen waren, der eine hier, der andere dort, ans Land dem Lager zu. Die Truppen am Lande aber ergaben sich jetzt ohne Unterschied mit Ach und Weh einmütig darein, daß die Schlacht verloren war. Zum Teil eilten sie den Schiffen zu Hilfe, zum Teil warfen sie sich in die noch vorhandenen Festungswerke; andere, und zwar die meisten, dachten nur noch an sich selbst und wie sie sich in Sicherheit bringen könnten. Nie zuvor war die Lage der Athener so hoffnungslos gewesen wie in diesem Augenblick. Es ging ihnen hier, wie sie es mit ihren Gegnern in Pylos gemacht hatten. Denn dort verloren die Lakedämonier nach der Vernichtung ihrer Flotte auch die auf der Insel ausgesetzte Mannschaft, und jetzt durften sich die Athener auch keine Hoff­ nung mehr machen, zu Lande davonzukommen, eS hätte denn ein Wunder geschehen müssen.

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