Book 7
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„So schlimm es auch augenblicklich mit uns steht, Athener und Bundesgenossen, die Hoffnung dürfen wir darum nicht aufgeben. Auch in schlimmeren Lagen ist mancher noch glück lich durchgekommen. Auch über die Niederlagen und das un verdiente Mißgeschick, das euch jetzt betroffen, braucht ihr euch keine Vorwürfe zu machen. Ich selbst bin ja nicht besser dran als einer unter euch; ihr seht ja, wie ich durch meine Krank heit von Kräften gekommen bin. Während mich das Glück bisher sowohl in meinen eigenen Angelegenheiten wie auch sonst zu begünstigen schien, schwebe ich jetzt in derselben Gefahr wie der geringste Mann. Und doch habe ich meine Pflichten gegen die Götter nie verabsäumt und mich gegen meine Mit menshcen stets rechtschaffen und vorwurfsfrei benommen. Des halb sehe ich auch jetzt mit vollem Vertrauen in die Zukunft, und unsere Unglücksfälle schrecken mich nicht so, wie sie sonst wohl sollten. Auch werden sie gewiß bald ein Ende nehmen. Denn die Feinde haben schon Glück genug gehabt, und wenn wir etwa durch den Zug hier ins Land den Neid eines Gottes erregt, so haben wir dafür bereits reichlich gebüßt. Sind doch schon manche andere in fremde Länder eingefallen und, da das eben menschlich, dabei leidlich weggekommen. Wir haben also guten Grund zu hoffen, daß die Gottheit von nun an gnädiger mit uns verfahren wird, da wir jetzt denn doch eher das Mit leid als den Neid der Götter verdienen; und wenn ihr auf euch selbst seht, wie ihr in Wehr und Waffen so zahlreich in Reih und Glied eure Straße zieht, so braucht ihr euch wahrlich nicht zu fürchten und nicht daran zu zweifeln, daß ihr, wo immer ihr euer Lager schlagt, gleich selbst eine Stadt seid und keine andere in Sizilien so leicht imstande sein wird, euren Angriff aufzunehmen oder euch aus eurer Stellung zu vertreiben. Nur müßt ihr selbst darauf halten, daß euer Marsch in guter Ordnung vor sich geht, und alle davon durchdrungen sein, daß jedem der Fleck Erde, wo er zu fechten gezwungen ist, wenn er siegt, zur Stadt und Festung werden wird. Bei alledem müssen wir unseren Weg ohne Aufenthalt Tag und! Nacht fortsetzen; denn unsre Lebensmittel sind knapp. Haben wir aber erst befreundetes Gebiet der Sikeler erreicht, die aus Furcht vor Syrakus noch zu uns halten, so dürft ihr euch bereits als geborgen ansehen. Wir haben ihnen auch schon Befehl geschickt, uns entgegenzukommen und Lebensmittel mit zubringen. So viel aber kann ich euch sagen, Leute, ihr müßt alle euern Mann stehen; denn wolltet ihr Fersengeld geben, so ist hier in der Nähe kein Ort, wohin ihr euch retten könntet. Gelingt es euch aber durchzukommen, so werdet ihr alle das wiedersehen, wonach euch das Herz steht; ihr aber, Athener, werdet auch die jetzt schwer erschütterte Macht eurer Vaterstadt wieder aufrichten. Denn Männer machen die Stadt, nicht Mauern und leere Schiffe."