Book 7
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Danach, als dem Nikias und Demosthenes Alles hinreichend vorbereitet schien, erfolgte endlich der Aufbruch des Heeres am dritten Tag nach der Seeschlacht. Es war aber ein jammervoller Auftritt aus mehr als einer Ursache. Nicht nur zogen sie jetzt ab, nachdem sie alle ihre Schiffe verloren hatten, und anstatt der Erfüllung ihrer großartigen Hoffnungen schwebten jetzt sie selber und ihr ganzer Staat in größter Gefahr, sondern es bot sich auch beim Verlassen des Lagers dem Auge eines Jeden Schmerzliches und den Sinn Verwundendes. Denn die Todten lagen unbegraben, und wenn Einer einen Angehörigen daliegen sah, so ergriffen ihn Schmerz und Furcht zugleich, und die, welche lebend zurückgelassen wurden, verwundet oder krank, waren den Ueberlebenden ein noch schmerzlicherer Anblick, als die Todten, und weitunglükclicher, als die Gefallenen. Denn sie streckten flehend die Hände aus und wehklagten und brachten sie zur Verzweiflung, indem sie baten, man möge sie doch mitnehmen. Und wenn Einer wo einen Freund oder Angehörigen sah, so riefen sie Jeden beim Namen an, und wenn ihre Zeltgenossen sich in Marsch setzten, so klammerten sie sich fest an sie und folgten ihnen, so weit sie konnten, und wenn Einen dann die Kraft verließ und die Glieder ihnen versagten, so blieben sie unter Beshcwörungen und Wehgeheul liegen, so daß das ganze Heer in Thränen unter diesem Widerstreit der Gefühle nur schwer abzog, obgleich sie Feindes Land verließen und sie selber schon Unheil erlitten hatten, das mehr als beweinenswerth war, und von der ungewissen Zukunft solches noch befürchten mußten. Dazu herrschte unter ihnen auch Beschämung und Selbst- 413 v. Chr. anklage, denn ihr Zug glich ganz und gar der flüchtigen Bevölkerung einer eroberten Stadt, und zwar einer nicht kleinen, denn nicht weniger als vierzig tausend Mann war die gesammte Masse stark, die sich in Marsch setzte. Und von diesen trugen nicht nur die Andern, was Jeder Brauchbares mitnehmen konnte, sondern sogar auchdie Schwerbewaffneten und die Reiter trugen zu ihren Waffen auch ihre Lebensmittel, theils aus Mangel an Waffenknechten ^), theils auch aus Mißtrauen; denn die Meisten derselben waren schon früher oder eben jetzt zu den Feinden übergelaufen. Gleichwohl hatten sie auch so nicht das Genügende zum Mitnehmen, da kein Brod mehr im Lager war. Das übrige Elend und die gleiche Betheiligung Aller an dem Unglück, die doch sonst bei einer großen Zahl von Mittragenden Erleichterung gewährt, wurde in der gegenwärtigen Lage deßhalb doch um nichts leichter genommen, zumal man von solchem Glanz und so großartigen Versprechungen des Beginnens zu solchem Ende und solcher Erniedrigung herabgekommen war. Denn eS war dieß der größte Glücksumschlag, den je ein Hellenisches Heer erlitten. Gekommen, um Andern Knechtschaft zu bringen, mußten sie nun abziehen in der Furcht, daß ihnen selber dieß Schicksal bevorstehe; anstatt glückverheißender Wünsche und Kriegsgesänge, in deren Geleit sie von , der Heimath abgesegelt waren, brachen sie jetzt unter den entgegengesetzten Zurufungen auf; aus Seeleuten waren sie Landsoldaten geworden, und anstatt Schiffsdienst zu thun, marshcirten sie jetzt als Schwerbewaffnete. Und doch schien ihnen selbst dieß Alles noch erträglich gegen die Gefahr, die noch drohend über ihren Häuptern schwebte.