Book 8
1
Als die Nachricht nach Athen kam, wollte man dort auch den angesehensten Kriegern, die selbst nur mit genauer Not davongekommen waren und zuverlässige Nachrichten vom Kriegsshcauplätze mitbrachten, lange nicht glauben, daß die ganze Unternehmung so völlig gescheitert sei. Nachdem man sich endlich doch davon überzeugt, richtete sich die Erbitterung gegen die Redner, die dazu geraten, als ob man nicht selbst auch dafür gestimmt hätte, aber auch gegen die Zeichendeuter, Wahrsager und alle, welche damals durch Prophezeiungen die Hoffnung erregt hatten, daß man Sizilien erobern würde. All und jedes trug dazu bei, den Athenern das Herz schwer zu machen, und das eingetretene Mißgeschick versetzte sie aufs äußerste in Schrecken und Bestürzung. Denn nicht nur emp fanden sie die Verluste der einzelnen und den so unersetzlichen Verlust, den die Stadt an Fußvolk, Reiterei und junger Mann schaft erlitten, mit tiefstem Schmerz, sondern sie sahen auch, daß sie aus den Werften nicht Schiffe genug, im Staatsschatze kein Geld und für die Flotte keine Seeleute mehr hatten, und gaben alle Hoffnung auf, sich unter diesen Umständen noch weiter behaupten zu können. Außerdem fürchteten sie, die Feinde in Sizilien würden nach einem solchen Siege mit ihrer Flotte sogleich vor dem Peiraieus erscheinen, ihre hiesigen, nunmehr ja doppelt so starken Feinde aber ihnen die Bundesgenossen abtrünnig machen und mit diesen zu Lande und zur See über sie hersallen. Gleichwohl beschlossen sie, soweit es ihre Mittel gestatteten, nicht nachzugeben, womöglich eine neue Flotte aus zurüsten und dazu Holz und Geld zusammenzubringen, auch sich der Bundesgenossen und namentlich Enboias zu versichern. In der Stadt aber sollte auf die größte Sparsamkeit Bedacht genommen und eine Behörde von älteren Männern eingesetzt werden, um die jeweilig zu ergreifenden Maßregeln vorher zu begutachten. Wie immer im ersten Schrecken, so war das ganze Volk auch jetzt willig und bereit, seine Pflicht zu tun. Und wie sie beschlossen, so gingen sie dann auch ans Werk. Damit endete der Sommer.