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Ἱστορίαι Thucydides

Book 8

24 In diesem Sommer landeten die Athener, welche Milet gegenüber bei Lade mit den zwanzig Schiffen vor Anker ge­ gangen waren, bei Panormos im Miletischen und töteten Chalkideus, der ihnen mit schwachen Kräften entgegengetreten war. Drei Tage nachher fuhren sie nochmals nach dem Fest­ lande hinüber und errichteten ein Siegeszeichen, das die Mi­ leter jedoch wieder zerstörten, weit sie sich dort nicht batten behaupten können. Inzwischen unterhielten Leon und Diomedon mit der athenischen Flotte von Lesbos den Krieg zur See gegen die Chier, wobei ihnen die Chios gegenüberliegenden Oinussischen Inseln, die von ihnen im Gebiet von Erythrai besetzten festen Plätze Sidnssa und Pteleon und Lesbos selbst als Stützpunkte dienten. Ihre Seesoldaten waren aus der Stammrolle zwangsweise ausgehobene Hopliten. Sie landeten bei Kardamylai und erfochten bei Bolissos einen Sieg über die Chier, die sich ihnen entgegenstellten, töteten viele und ver­ heerten die Umgegend. Nachher siegten sie noch in einem zweiten Gefechte bei Phanai und einem dritten bei Leukonion. Seitdem ließen sich die Chier im Felde nicht mehr sehen, und die Athener verwüsteten nun das wohlangebaute Land, das seit den Perserkriegen kein Feind mehr betreten hatte. Denn die Chier waren, soviel ich weiß, neben den Lakedämoniern die einzigen, die auch im Glück die Besonnenheit bewahrt und mit der zunehmenden Macht ihres Staates nur um so mehr für dessen Sicherheit gesorgt hatten. Wenn sie jetzt bei ihrem Abfall anscheinend auch etwas unvorsichtig zu Werke gegangen waren, so.hatten sie es doch auch damit erst gewagt, als sie auf den Beistand zahlreicher tapferer Bundesgenossen rechnen konnten und die Gewißheit hatten, daß die Athener nach ihren Niederlagen in Sizilien aus ihrer bedenklichen Lage selbst kein Hehl mehr machten. Und wenn sie sich darin bei der Un­ berechenbarkeit der menschlichen Lebensläufte dennoh cgeirrt haben, so teilten sie diesen Irrtum mit vielen anderen, die gleich ihnen glaubten, man werde mit den Athenern bald fertig- werden. Nun aber, wo sie von der See verdrängt waren und ihr Land verwüstet wurde, gingen manche damit um, das Bündnis mit den Athenern wiederherzustellen. Die Regierung, welche dahinterkam, schritt dagegen ihrerseits nicht ein, ließ aber Astyochos, den Befehlshaber der Flotte, mit vier Schiffen, die er bei sich hatte, von Erythrai kommen und suchte die Be­ wegung durch Festnahme von Geiseln und auf andere Weise so glimpflich wie möglich beizulegen. So verlief die Sache in Chios.

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