Book 8
5
Während beide Teile so am Werk waren und sich wie zum erstenmal von neuem zum Kriege rüsteten, ershcienen in diesem Winter zuerst Gesandte der Euboier bei Agis, um wegen ihres Abfalles von den Athenern mit ihm zu verhandeln. Er ging auf ihre Anträge ein und ließ Alkamenes, Stenela'idas' Sohn, und Melanthos zur Übernahme des Befehls auf Euboia aus Lakedämon kommen. Die kamen auch mit etwa dreihundert Neodameden bei ihm an, und er machte schon Anstalt, sie nach der Insel überzusetzen. Inzwischen aber fanden sich auch Lesbier bei ihm ein, die ebenfalls abfallen wollten. Da die Böotier sich für sie verwandten, ließ Agis sich bereden, Euboia vorläufig aufzugeben, um zunächst den Aufstand der Lesbier zu unterstützen. Er gab ihnen Alkamenes, der eben nach Euboia abfahren wollte, zum Statthalter, die Böotier aber und Agis selbst versprachen ihnen je zehn Schiffe zu schicken. Bei alle dem war die lakedämonische Regierung nicht zugezogen worden. Denn so lange Agis mit seinem Heere bei Dekeleia stand, war er selbständig befugt, Truppenteile zu verschieben oder zusammenzuziehen und Gelder einzutreiben. Auch hörten die Bundesgenossen zu der Zeit im Grunde mehr auf ihn als auf die Regierung in Lakedämon; denn er mit seinem Heere war jeden Augenblick in der Lage, ihnen auf die Kappe zu kommen. So nahm er sich auch jetzt der Lesbier an. Die Chier und Ery thraier dagegen, welche ebenfalls abfallen wollten, wandten sich nicht an Agis, sondern nach Lakedämon. Zugleich mit ihnen erschien dort ein Gesandter des Tissaphernes, der da mals Satrap des Königs Dareios, Artaxerxes' Sohn, im Küstengebiete war; denn auch Tissaphernes wünschte mit den Peloponnesiern anzuknüpfen und versprach, ihnen Lebensmittel zu liefern. Der König hatte nämlich kürzlich die Steuern aus seiner Provinz von ihm gefordert, die er der Athener wegen von den griechischen Städten nicht erheben konnte und noch schuldig war. Nun hoffte er, nach Demütigung der Athener eher zu jener Steuer zu gelangen, zugleich aber die Lakedämonier zu Bundesgenossen des Königs zu machen, auch Amorgos, den natürlichen Sohn des Pissuthnes, der sich in Karien unab hängig gemacht hatte, dem ihm erteilten Befehle des Königs gemäß lebendig ausliefern oder hinrichten lassen zu können. Die Chier und Tissaphernes zogen also hierin einen Strang.