Book 8
48
Die ganze Bewegung ging ursprünglich vom Heere aus und verbreitete sich von dort erst später in die Stadt. Zunächst begaben sich von Samos einige zu Alkibiades hinüber, um mündlich mit ihm zu verhandeln. Da dieser versprach, ihnen Tissaphernes und dann auch den König zum Freunde zu machen, wenn die Demokratie erst gestürzt wäre, da der König sich dann wahrscheinlich unbedenklicher darauf einlassen würde, so machten sie sich starke Hoffnung als die angesehensten, aber auch bisher an: schwersten geplagten Bürger, nunmehr ihrer seits zu Hause ans Ruder zu kommen und auch ihrer äußeren Feinde Herr zu werden. In Samos zogen sie nach der Rück kehr ihre Gesinnungsgenossen ins Geheimnis und teilten öffent lich den Leuten mit, daß der König ihr Freund sein und den Sold zahlen wolle, wenn der Demokratie ein Ende gemacht und Alkibiades zurückgerufen würde. Und das Kriegsvolk, dem die Sache im ersten Augenblick allerdings nicht nach Sinne war, beruhigte sich dann doch dabei in der willkommenen Aus sicht auf den Sold des Königs. Nachdem sie das unter die Leute gebracht, besprachen die Anhänger der Oligarchie die Vorschläge des Alkibiades nochmals unter sich und in weiterem Kreise ihrer Gesinnungsgenossen. Während den übrigen die Sache ausführbar und unbedenklich ershcien, wollte Phrynichos, der noch Feldherr war, davon durchaus nichts wissen. Seiner Meinung nach sei es Alkibiades, wie es in der Tat der Fall war, weder um Oligarchie noch um Demokratie, sondern ledig lich darum zu tun, eine Änderung der bestehenden Verfassung herbeizuführen und mit Hilfe seiner Freunde zurückgerufen zu werden. Sie hier aber müßten vor allem zu verhüten suchen, daß die bewaffnete Macht für Parteizwecke mißbraucht werde. Auch der König werde wenig Neigung haben, jetzt, wo die Peloponnesier auch schon zur See mit gleichen Kräften auf träten und eine Anzahl größerer Städte seines Reichs besetzt hätten, sich durch Freundesdienste gegen die ihm doch ver dächtigen Athener Ungelegenheiten zu bereiten, während er in der Lage sei, sich die Peloponnesier, die ihm niemals was zu leide getan, zu Freunden zu machen. Und wenn man den Bundesgenossen, weil sie ja selbst der Demokratie längst über drüssig seien, die Einführung demokratischer Verfassungen verheiße, so werde das nach seiner Überzeugung weder die Abgefallenen bewegen, sich den Athenern wieder anzuschließen, noch die ihnen Treugebliebenen fester an sie kitten; denn die Knechtschaft, gleichviel ob unter Oligarchie oder Demokratie, würde ihnen immer noch unwillkommener sein als die Freiheit, sei sie ihnen nun unter dieser oder jener Verfassung zuteil geworden. Von den sogenannten Edeln aber würden sie sich nichts Besseres versprechen wie von den Demokraten; denn das seien Geldschneider, die das Volk zum Bösen verführten, um sich selbst die Taschen zu füllen. Auch würde es ihrer Meinung nach, soviel an ihnen läge, nur noch mehr gewalttätige und willkürliche Einrichtungen geben, während grade das Volk ihre Zuflucht sei und sie in Schranken hielte. Und daß man in den Bundesstaaten auf Grund früherer Erfahrungen die Sache so ansähe, wisse er bestimmt. Noch alledem könne er sich mit den Vorschlägen des Alkibiades und dem, was man II hier gegenwärtig vorhabe, seinerseits nicht einverstanden er klären.