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Die Geschichtschreiber und Erzähler vor ihm haben gleichsam nur eine leblose Erzählung eingeführt und sich durchaus nur der trockenen Berichterstattung bedient, ohne den einzelnen Personen Reden in den Mund zu legen und sie als Sprecher vor der Volksversammlung auftreten zu lassen, — Herodotos zwar hat schon einen Versuch gemacht, jedoch nicht mit der nöthigen Kraft und Sicherheit, ^ denn er läßt nur wenige Reden halten, und nicht sowohl VolkSreden, I als Darlegungen seiner Ansichten und Meinungen, die er einzelnen Personen andichtet — unser Geschichtschreiber allein aber hat die Volksreden zuerst angebracht und vollständig durchgeführt, nach Haupt- und Nebengesichtspunkten, so daß diese Reden förmlich unter bestimmte Kategorien gebracht werden können, woran man vollendete Reden erkennt. Von den drei Arten der darstellenden Schreibart, der erhabenen, trockenen und mittleren hat er mit Beifeitlassung der andern nur die erhabene anzuwenden gesucht, als welche der besonderen Art dieses so gewaltigen Krieges zusagt und seiner Größe ge> ziemt. Wenn große Thaten geschehen sind, so geziemt es sich auch, daß die Weise der Erzählung den Thaten gleiche. Damit du aber auch von den andern Schreibarten Beispiele habest, so wisse, daß des mittleren, der weder erhaben noch trocken ist, sich Herodotos bedient hat, des trockenen aber Xenophon. Der Erhabenheit des StyleS wegen nun hat sich Thukydides oft auch poetischer Ausdrücke und uneigentlicher Sprechweisen bedient. Indessen gibt es auch Einige, welche die Behauptung gewagt haben, daß der Gesammtcharakter des ganzen GeschichtSwerkS nicht der rednerische sei, sondern der dichterische. Daß der poetische Charakter indessen hier nicht vorhanden ist, erhellt daraus, daß das Werk nicht in irgend einem Versmaß geschrieben ist. Wenn uns aber Einer hiegegen einwendet, daß die prosaische Schreibart nicht durchaus mit der rednerischen zusammen- fällt, wie ja auch die Werke Plato's oder die der Aerzte keine rednerischen Schriften sind, so erwidern wir, daß aber doch wenigstens die Geschichte nach Hauptgefichtspunkten eingetheilt und unter die rednerische Schreibart gerechnet wird, und zwar durchaus jede Art der Geschichtschreibung unter die berathende Bercdtsamkeit — Audere freilich bringen sie unter die lobrednerische, weil sie, wie diese sagen, diejenigen lobpreist, welche in den Kriegen sich am meisten hervorgethan haben — des ThukydideS Darstellung aber fällt ausnahmsweise unter alle drei Arten, und zwar unter die berathende in sämmtlichen Volksreden, ausgenommen die der Platäer und Thebancr im dritten Blicht), unter die lobrednerische wegen der Grabrede'^), und unter die gerichtliche wegen der Rede der Platäer und Thebaner, die wir oben von den andern ausgenommen haben. Denn wo, wie hier, die anwesenden Lakedämonier als Richter entscheiden, und der Platäer fragweise in Untersuchung gezogen wird und sich in Betreff des Gefragten vertheidigt, indem die Rede zwischen Mehreren hin und hergeht, und der Thebaner widerspricht und den Lakedämonier zum Zorn zu reizen sucht, da verrathen Anordnung, Gang und ganze Art der Rede deutlich deren gerichtlichen Charakter.