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Ἱστορίαι

Ἱστορίαι Thucydides

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2 Gestorben ist er nach dem Peloponnefischen Krieg in Thrakien, beschäftigt mit der Erzählung der Ereignisse deS einundzwanzigsten Kriegsjahres; denn der Krieg dauerte siebenundzwanzig Jahre. Die Ereignisse der sechs noch übrigen Jahre haben ergänzt TheopompoS und Xenophon in seiner Hellenischen Geschichte. Zu wissen ist, daß Thukydides als Feldherr bei AmphipoliS sich den Vorwurf der Säumigkeit zuzog, da Brafidas vor ihm die Stadt wegnahm, weßhalb er auf Betreiben deS Kleon von den Athenern verbannt wurde. Darum ist er auch Feind deS Kleon und führt ihn überall als einen Narren ein. Er ging also fort, wie man erzählt, und verfaßte in Thrakien sein herrliches Geschichtswerk. Gleich mit Beginn des Krieges nämlich zeichnete er sich Alles auf, was gemeldet und gethan wurde, von vorn herein keineswegs auf Schönheit der Darstellung bedacht, sondern nur mit der Absicht, die Thatsachen durch seine Aufzeichnung der Vergessenheit zu entreißen. Später aber, nach seiner Verbannung, als er sich zu Skapte Hyle in Thrakien aufhielt, führte er daS in kunst- voller Schönheit aus, was er Anfangs nur des Nichtvergessens wegen niedergeschrieben hatte. Den Mythen und Sagen ist er Feind, weil er nur an der Wahrheit Freude hat. Denn den Geschichtschreibern ziemt nicht dasselbe, wie den Erzählern, welche auch Sagen unter ihre Geschichten mischen, mehr nach dem Ergötzlichen strebend, als nach Wahrheit. DaS aber überläßt der Geschichtschreiber jenen, er selbst will nicht die Zuhörer ergötzen, sondern durch sein Werk denen nützen, welche die genaue Wahrheit lernen wollen. Deßhalb nennt er seine Geschichte auch bestrebt ... 2°). An vielen Stellen ist er den ergötzlichen Erzählungen ausgewichen und hat es abgelehnt, der Mehrzahl zu folgen, welche Einschiebungen anzubringen pflegen, wie auch bei Herodotos 2 >) der Delphin vorkommt, der die Musik liebt, und Arion, der ihn mit seiner Musik steuert, und vor allen daS zweite Buch durchaus lügenhast ist. Unser Geschichtschreiber aber, wo er dergleichen nebenher erwähnt, ist dazu genöthigt und thut es nur, um damit aus die Einsicht der Leser zu wirken. So z. B. ist seine Erzählung von^Tereus 22) nur darauf berechnet, uns über die Leidenschaften der Weiber zu belehren, an die Geschichte von den Kyklopen 23) ist nur der Oertlichkeit wegen erinnert, und von Alkmäon 24) wird nur mitgetheilt, wie er seine Vernunft wieder gewonnen und die Inseln in Besitz genommen hat, keineswegs aber die ganze Geschichte der Länge und Breite nach erzählt. So verfährt er mit den Sagen; hingegen ist er gewaltig im Abschildern der Charaktere. Im Einzelnen ist er deutlich, im Satzbau aber scheint er wegen des sich Drängens der Gedanken hie und da unklar/ Der Charakter des Styls ist überaus ernst und groß, die Fügung der Sätze aber voll Härten, schwer und reich an Versetzungen, hie und da auch unklar. Bewunderungswürdig aber ist seine Kürze; er bietet mehr Gedanken als Worte. Sehr zu rühmen an ihm ist auch die körnige Spruchweise. Sehr große Kraft zeigt er in den Erzählungen, 20) Vgl. 1.22. 21) Hnod. I, 23. 22) II, 29. 23) IV. 2. 24) II, tue. ThukydideS. IX. 23 wenn er uns Seeschlachten, Belagerungen, Seuchen und VolkSaufstände schildert. Reich "und vielgestaltig ist er in -den Redeweisen, hierin auch die Fülle des Leontiners GorgiaS nachahmend, - kurz,-wo er Befehle ertheilen läßt, herb und bitter in der Darstellung von UnglückSfällen, und überaus trefflich in Nachahmung und Abschilderung der Charaktere: bei ihm siehst du wie mit Augen des Perikles Hochsinn, deS Kleon leichtsinnige Zunge, des Alkibiades Unbesonnenheit, des Thennstokles ganze Größe des Nikias Bravheit, abergläubisches Wesen und sein Glück bis zum Sikelisä'en Kriegszug ^), und so unzähliges Andere, was wir im Einzelnen in'S Auge zu fassen versuchen werden. ^ ' v ? "

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