Kitap 1
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Vorzeiten lebte in Athen ein gewisser Kylon, ein angesehener Mann aus vornehmem Hause, der in Olympia gesiegt und eine Tochter des Tyrannen Theagenes in Megara zur Frau hatte. Dieser Kylon erhielt auf eine Anfrage beim delphischen Orakel vom Gotte die Antwort, er solle sich am größten Feste des Zeus der Burg von Athen bemächtigen. Mit Hilfe einer Hand voll Bewaffneter, die ihm Theagenes geschickt, und im Verein mit seinen Anhängern bemächtigte er sich denn auch in der Absicht, sich zum Tyrannen zu machen, der Burg zu der Zeit, wo im Peloponnes die olympischen Spiele gehalten wurden. Er nahm nämlich an, daS wäre das größte Fest des Zeus, und er zumal als Sieger in Olympia dürfe die Sache so an sehen. Ob aber dabei nicht etwa das größte Fest in Attika oder sonstwo gemeint gewesen war, daran hatte er nicht ge dacht, und auch das Orakel hatte sich darüber nicht ausge sprochen. In Athen nämlich gibt es auch ein Fest, die Diasia, das man das größte Fest des Zeus Meilichios nennt und außerhalb der Stadt feiert, an dem alle Welt opfert, viele freilich keine Opfertiere, sondern nur die landesüblichen Opfer kuchen. Er glaubte das Orakel eben richtig verstanden zu haben und führte sein Vorhaben aus. Kaum aber war das in Athen ruchbar geworden, als die Athener von den Feldern in hellen Haufen zusammenströmten, vor die Burg rückten und ihn und seine Anhänger darin belagerten. Als es ihnen mit der Belagerung dann aber doch zu lange dauerte, verlief sich die Menge, und man überließ die Bewachung der Burg und alle weiter erforderlichen Anordnungen den neun Archonten nach eigenem Ermessen. Damals nämlich lag das Stadtregiment so gut wie ganz in den Händen der neun Archonten. Kylon aber und seine Leidensgefährten gerieten infolge der Belage rung in große Not, da sie nichts mehr zu essen und zu trinken hatten. Ihm selbst und seinem Bruder freilich gelang es, zu entkommen. Die übrigen aber, soweit sie nicht bereits Hungers gestorben waren, setzten sich in der Verzweiflung auf den Burg altar. Als die Athener, welche die Wache hatten, sahen, daß sie hier an geweihter Stätte sterben würden, sicherten sie ihnen freies Geleit zu und führten sie hinaus, töteten sie aber hinterher dann doch. Einige, die sich unterwegs' auf die Altäre der hehren Göttinnen gesetzt hatten, wurden ebenfalls von ihnen umgebracht. Seitdem galten diese Leute und ihre Nachkommen als ein fluchbeladenes Geschlecht und als Frevler gegen die Göttin. Die Athener aber vertrieben dies fluchbeladene Ge-E schlecht, und später wurde es von dem Lakedämonier Kleomenes und der in den Verfassungskämpfen in Athen ans Ruder ge langten Partei abermals vertrieben, wobei diesmal nicht nur die Lebenden auSgetrieben, sondern auch die Gebeine der Toten ausgegraben und in alle Winde zerstreut wurden. NachmalS kehrte es dann freilich doch zurück, und es findet sich in seinen Nachkommen noch heute in der Stadt.