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Ἱστορίαι Thucydides

Kitap 1

17 Die Tyrannen, so viele ihrer in den Hellenischen Städten aufkamen, bedachten alle nur sich selbst, die eigne Sicherheit und die Vergrößerung ihrer Familienmacht Sicherheitsmaßregeln waren Samier aus Seiten der Chalkidier. Herod. V, II. Wann, ist unbestimmt. Etwa um 650. Entstanden war er um das lelantische Gefilde. Strabo X, I. p. 443 und p- 4S5. (Kr.) 50) Anders erzählt Herod. I, 143. 169, vgl. jedoch III, 141. (Kr.) 50*) Die älteste Staatssorm unter den Hellenen ist das Königthum. Dieses hat aber im Allgemeinen einen Adel zur Voraussetzung, denn in den meisten Fällen ist der König nur der Erste unter seines Gleichen, den Basileis, Basiliden, d. i. Königs- oder Adelsfamilien. Der Adel bildete und ergänzte sich aus Familien, an deren Spitze Männer von hervorragender Tapferkeit, Einsicht oder Wohlhabenheit standen, denn diese Eigenschaften machen unter allen Umständen ihre Macht von selber geltend. Unter gefährlichen, unruhigen, kriegerischen Verhältnissen, welche eine einheitliche Leitung deS vorhandenen Staatswesens durchaus nothwendig machen, tritt Einer an die Spitze und vereint in seiner Person größere Macht. Dieser heißt der König. Das Lager der Griechen vor Troja ist das Urbild eines solchen Staates. Das Volk der hauptumlotten Achaier wird von Königen geführt, an deren Spitze Ngamemnon als der König steht. Denn vor allen Andern zwingt der Krieg den Grundsatz auf: „Nicht gut ist Vielherrschast: Einer sei Herrshcer, Einer König, dem Zeus es gibt," d. h. den die von der Noth bestimmten und von den Göttern gelenkten Umstände als den Tüchtigsten dazu machen. Der Hergang dabei ist nicht immer so einfach, wie ihn das Epos darstellt, die Mittel, die angewendet werden, oft verbrecherisch. Beispiel: Chlodwig schafft die andern fränkischen Basileis auf die Seite, erobert mit der Mehrzahl der freien Franken ein großes Reich und vertheilt es unter seine Söhne. Die freien Franken werden mit Ländereien samt deren Bevölkerung belehnt und bilden den Urstamm eines Avels, der bestimmt scheint, Mittel- europa gegen anderthalb Jahrtausend zu beherrschen. Die Herakliden kommen um 1104 mit freien Doriern, Aetolern u. s. w. in den Peloponnes, erobern ihn, vertheilen ihre Familienhäupter als Könige: Temenos erhält Argos, wozu später Epidaurus, Trözen, Kleonä, Phlius und Sikyon kommen; Aristodemos und seine Söhne erhalten Lakonien; KrssphonteS Messenien; Aletes das Hauptaugenmerk ihrer politischen Verwaltung; irgend ein erwähnenswerthes Unternehmen aber wurde von ihnen nicht ausgeführt, Korinth; Oxylos, der Führer der Aetoler, wird König von Elis u. s. w. Die früheren Einwohner werden vertrieben oder bleiben als mehr oder weniger freie Bürger, halbfreie Bauern oder ganz Leibeigene. Die Familien der Eroberer, die nicht königliche werden können, vertheilen sich als Adel über Stadt und Land. Hätten z. B. die Griechen unter Agamemnon Troja nicht nur zerstört, sondern Troas und die angrenzenden Landschaften in dauernden Besitz genommen und sich von da weiter ausgedehnt, so wären in jenem Theil Kleinasiens wieder ganz ähnliche politische Verhältnisse entstanden. Wenn aber die Könige den vererbten Besitz nicht zu schützen verstehen, im Kriege sich nicht als tapfere und geschickte Anführer zeigen oder Gewaltthätigkeiten und Unrecht begehen, so werden sie gestürzt, und zwar durch die nächst- mächtigen Adelsfamilien, Basiliken, und diese bilden nun, indem sie die Gewalt unter mehr oder weniger Familien verweilen, eine Oligarchie, d. h. eine Herrschaft Weniger. So geht z. B. in Korinth nach dem Sturze des Königthums um die Mitte des 8. Jahrhunderts die Macht an die heraklidifchen Familien der Bakchiaden über. Jede Macht innerhalb des Staates stützt sich aus Vermögen. Dies besteht theils in Grundbesitz und Naturalien, theils in Geld; im Fortschritt der Zeit aber immer mehr und mehr in Geld (vgl. Anm. 2 7*). Geld erwerben aber zunächst Nichtadelige. Adelige werden arm und verschmähen es nicht, sich mit den reichen Nichtadeligen zu verschwägern, die dann auch in die Oligarchie aufgenommen werden müssen. Diese verliert also ihre Abgeschlossenheit und wird zu einer weiteren Aristokratie. Gegen diese Erweiterung sträubt sich aber, sobald ihre Folgen deutlicher an den Tag treten, die Mehrzahl des oligarchischen Adels und macht wieder Abschließungsversuche. Der Haß der Andern, den sie überdies von vornherein Heraussordern, wird nun noch mehr gereizt und herausgefordert. Nicht nur daß Ueppigkeit und gereizter Uebermuth der Olig'archen Achtung und Vertrauen des Volks vershcerzen, „sie kränken es durch Gewaltthätigkeiten und Verletzungen auch in solchen Verhältnissen, in denen verletzt zu werden kein Mann geduldig erträgt, wie wenn die Ehrbarkeit der Weiber, die Keuschheit der Kinder angetastet wird; sie zeigen überall, daß ihnen nicht das Wohl des Ganzen, sondern nur ihr Standesinteresse und die Befriedigung ihrer Gelüste am Herzen liege." (Schömann, Griech. Alterth. I, S. 162.) Die steigende Mißstimmung des Volkes benutzen nun ehrgeizige Köpfe, welche meist dem Adel ganz oder halb angehörten und eben daher wissen, wie man politische Gewalt erlangt und festhält, und die durch irgend welche Beleidigung zur Rache am Adel angestachelt werden, welche Rache ihnen zugleich die Herrschaft verspricht. Da für sich allein Niemand etwas vermag, aus dem Adel selbst aber nur in sehr seltenen Fällen eine Partei zu gewinnen ist, so müssen sich solche Männer auf das Volk stützen. Sie werden zunächst Demagogen Wodurch sie gleichzeitig den Samen zur nachfolgenden Demokratie ausstreuen) und erkämpfen sich an der höchstens Kriege gegen ihre Nachbarn; nur die in Sicilien brachtenes zu einer sehr bedeutenden Macht ^ ^). Auf diese Weise ist Hellas lange Zeit her durch Einflüsse aller Art niedergehalten worden, so daß weder gemeinsam irgend eine glänzende That ausgeführt Spitze der Volkspartei die Alleinherrschaft, griechisch Tyrann is. Beispiel: Die Bakchiaden in Korinth verschwägerten sich nur unter sich selbst und ließen nicht einmal die Verheirathung in andere Adelsgeschlechter zu. Einmal wurde doch eine Ausnahme gemacht. Eine Tochter einer Bakchiadenfamilie heirathete einen minderberechtigten Adeligen. Deren Sohn Kypselos, der sich von der Theilnahme an der Staatsgewalt ausgeschlossen sah, wußte es zu einer Beschlshaberstelle zu bringen und gewann durch demagogische Mittel die Tyrannis. Aehnlich Peisistratos in Athen, Theagenes zu Megara, Syloson auf Samos, Aristodemos in Kyme und viele Andere. (Ganz ähnlich ist Napo» leon III., welcher der herrschenden Fürftenoligarchie halb und halb angehörte, durch demagogische Mittel aus den Thron gelangt.) Seltener ist es, daß Männer aus den unteren Ständen sich emporschwingen, wie Orthagoras oder Andreas in Sikyon (Eromwell, Napoleon I.). Wenn auch die Tyrannen zum Theil vortrefflich regierten, wie die Orthagoriden, Kypselos, Peisistratos, so ertrug der nach der Rechtsgleichheit sür Alle strebende Sinn der Griechen, der nun auch theoretisch mehr und mehr im demokratischen Sinn beeinflußt wurde, die Tyrannis fast überall nur kurze Zeit. Drei andere hieher gehörige Erscheinungen sind: 1) In manchen Städten wurden die feindlichen Parteien (aristokratische und demokratische Elemente) des Kampfes müde und wählten Vertrauensmänner, Aefymneten, als Gesetzgeber und zeitweilige (constitmionclle) Regenten. — 2) Die allgemeine geistige Erregtheit erweckte einzelne Männer, die als Reformatoren der Sitten, des Cultus und der gesamten Grundlagen des Staatswesens auftraten; so Epimenides aus Kreta / Pythagoras aus Samos. — 3) Auch der Einfluß der Orakel in politischen Dingen wurde größer. Hierüber später. 51) Gelon von Syrakus und fein Bruder und Nachfolger Hieron. Der Erstere wirkte aber auch in der edelsten Weise. Er schlug und vernichtete das ungeheure Heer und die Flotte der mit Xerxes verbündeten Karthager bei Himera (wie eine Sage will, am selben Tage mit der Schlacht von Salamis) und war gerüstet, denen in Hellas zu Hilfe zu kommen. Seine Weisheit und Milde bewirkten, daß die Sicilifchen Städte sich ihm freiwillig unterwarfen. Er selbst blieb bis zum Tode der strengste Beobachter der Gesetze und erschien unbewoffnet in einer Volksversammlung, in welcher Alle bewaffnet erscheinen mußten (also Jedem sein Leben preisgebend) und legte Rechenschaft ab von Allem, was er gethan (Diod. II, 26, 38). Sein weniger gut gearteter Bruder Hieron war doch durch Gelons Beispiel gezwungen, nicht allzusehr anS der Art zu schlagen. — Theron von Akragas ist hier weniger gemeint. wurde, noch auch die einzelnen Staaten für sich Unternehmungsgeist zeigten^*).

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